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Wir werden unsere Seele nicht verkaufen

Startseite Medienpolitik Erstellt von Eva-Anabelle v.d. Schulenburg

Wie weit dürfen Hightech-Konzerne gehen? Deutsche Zeitschriftenverleger sehen sich durch Zensur im App Store in ihrer Freiheit bedroht. Noch sind sie zu Gesprächen bereit, wollen mit dem US-Konzern Rahmenbedingungen festlegen. Doch wenn das scheitert, könnte man andere Maßnahmen ergreifen.

Wie weit dürfen Hightech-Konzerne gehen? Deutsche Zeitschriftenverleger sehen sich durch Zensur im App Store in ihrer Freiheit bedroht. Noch sind sie zu Gesprächen bereit, wollen mit dem US-Konzern Rahmenbedingungen festlegen. Doch wenn das scheitert, könnte man andere Maßnahmen ergreifen.

Mit seiner Zensurpolitik im App Store bringt der US-Konzern Apple die deutschen Verlage gegen sich auf. "Wir können und werden als Verlage unsere Seele nicht verkaufen, nur um ein paar Kröten von Apple zu bekommen", sagte Wolfgang Fürstner, Geschäftsführer des Zeitschriftenverbandes VDZ. Heute passten dem Konzern nur nackte Brüste und andere angeblich sexistische Inhalte nicht, "und morgen sind es wichtige gesellschaftliche und politische Themen, die den Verantwortlichen von Apple missfallen. Das ist Zensur und davor müssen wir uns schützen".

Bei der Vorstandssitzung des Weltverbandes der Verleger FIPP, nächste Woche in Berlin, will der VDZ-Vorsitzende erwirken, dass der Weltverband bei Apple vorstellig wird, um das Anliegen der Verlage geschlossen vorzubringen. "Wir werden erst einmal für Verständnis werben und Apple ist ein willkommener Partner. Aber die Rahmenbedingungen müssen stimmen", so Fürstner. "In keinem deutschen Verlag wird ein Geschäftsmodell eine Chance haben, bei dem sich die Verleger dem Diktat von Apple unterwerfen müssen und ihre Pressefreiheit der Marktmacht von Apple opfern."

Apple hatte in den vergangenen Wochen Tausende Anwendungen aus dem App Store entfernt, vor allem solche mit vermeintlich erotischen Inhalten. Nachdem schon im November die "Stern"-App ohne Vorankündigung wegen einer Bildergalerie kurzzeitig aus dem App Store flog, traf es zuletzt die Miezen in Springers "Bild"-App, die sich beim Schütteln des Telefons nackig machen. Apple verlangte gar, dass die Brüste per Bildbearbeitung überdeckt werden. Erotikmarken wie "Playboy" oder das Magazin "FHM" dürfen ihre Apps dagegen weiter unzensiert vertreiben.

"Gegen Marktmacht helfen irgendwann nur Gerichte"

"Wenn Apple vorher klare Regeln vorgegeben und gesagt hätte, 'nacktes Fleisch verstößt gegen unsere ethischen Grundregeln', wären das nachvollziehbare Bedingungen, dafür könnte man noch Verständnis haben", sagte Fürstner. Aber dass der Konzern nachträglich bestimmte Inhalte entferne oder die Regeln verschärfe und nach eigenem Gutdünken einzelne Marken verschone, sei nicht hinnehmbar. Natürlich suche man zunächst den Dialog mit Apple, "aber gegen Willkür und die Ausnutzung von Marktmacht helfen irgendwann nur Gerichte", erklärte Fürstner. Allerdings zeige Apples Verhalten auch, dass die Verlage dringend eigene Plattformen für ihre Inhalte im Internet entwickeln müssten, um sich unabhängiger zu machen.

In der Verbannung nackter Brüste sieht auch der VDZ-Chef noch keine absolute Gefährdung der Pressefreiheit, aber es geht ums Prinzip. Der Konzern verstand sich bisher als eine technische Plattform, nicht als Anbieter eigener Medieninhalte. Apples rigides Gebaren in den vergangenen Wochen hat auch die Euphorie der Verlage über das iPad mächtig gedämpft, das ihnen doch eigentlich die lange ersehnten Einnahmen aus dem Internet bescheren soll. "Die Verlage müssen nun mit allergrößter Sorgfalt solche Fragen klären, bevor sie sich mit Apple einlassen, sonst kann man ihnen nur raten, die Finger davon zu lassen", sagte Fürstner.

Bisher hatten sich die deutschen Verlage vor allem auf Google eingeschossen, nun droht auch Apple sein sympathisches Antlitz zu verlieren. "Apple wäre gut beraten, auf der Seite der Sympathieträger zu bleiben", so Fürstner. Das Verhalten offenbare aber ein Problem weltweit agierender Technologiekonzerne, "die in ihrer Herrschaftsmacht glauben, sie seien unbegrenzt und können sich über alle Regeln hinwegsetzen".

Der Artikel erschien auf Spiegel Online von Isabell Hülsen 

Die VDZ-Einschätzung finden Sie hier