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Recherchieren mit kugelsicherer Weste

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Wegen ihrer mutigen Berichterstattung ist die mexikanische Journalistin Ana Lilia Pérez seit Jahren Verfolgung und Todesdrohungen ausgesetzt

Die Journalistin Ana Lilia Pérez im VDZ zusammen mit Hauptgeschäftsführer Stephan Scherzer, Martina Bäurle, Geschäftsführerin der Hamburger Stiftung für politisch Verfolgte sowie Peter Klotzki, Presse & Kommunikation im VDZ

Pressefreiheit ist ein hart erkämpftes Gut. Das konnte Ana Lilia Pérez Ende Juni im Haus der Presse Berlin anschaulich vor Augen führen. Der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) hatte sie zum Gespräch geladen. Seit Jahren spürt die 36jährige Mexikanerin den Drogenkartellen, sowie Geldwäsche und Korruption bis in den höchsten Regierungskreisen ihres Landes nach. Sie nennt Namen und stellt die Verantwortlichen öffentlich an den Pranger. In ihrem aktuellen Buch „El Cártel negro“ konnte sie die illegalen Geschäfte des staatlichen Mineralölkonzern „Petróleos Méxicanos“ (Pemex) aufdecken, sowie deren Verbindung zur organisierten Kriminalität.

Aufgrund ihrer unerschrockenen Recherchen wurde die Journalistin in Mexiko massiv bedroht. Mit Erpressungsversuchen, gezielten Diebstählen und anonymen Anrufen hat man versucht, sie in ihrer Arbeit zu behindern. Wegen der Morddrohungen, denen sie ausgesetzt war, war sie schließlich gezwungen, auf kugelsichere Weste und Personenschutz zurückzugreifen. Dank einer Einladung der Hamburger Stiftung für politisch Verfolgte konnte sie ihr Land 2012 verlassen, und ein Jahr lang in Deutschland unbehelligt ihre Arbeit fortsetzen. Pérez ist keineswegs die einzige Journalistin, die in ihrem Land mit Mord und Erpressung bedroht wird. Die Organisation „Reporter ohne Grenzen“ berichtete, dass in den letzten Jahren 80 Journalisten in Mexiko ums Leben gekommen sind.

Pérez wurde für ihre Publikationen mehrfach ausgezeichnet, unter anderem von UNICEF (2005) und dem Presseclub Mexico (2008/2009). 2012 erhielt sie den Leipziger Medienpreis.

Am vergangenen Freitag nun saß die mutige Journalistin mit ihren tiefschwarzen, langen Haaren und gekleidet in einer kobaltblauen Bluse im Haus der Presse und schilderte ihre Situation. Dabei erweckte sie keineswegs den Eindruck, als sei sie sonderlich kämpferisch oder gar aggressiv. Allein ihre Worte zeugten von einer Dezidiertheit und Eindringlichkeit, dass man auf Anhieb verstand, warum ihre Gegner sie fürchten.

In wenigen Wochen geht Peréz` Zeit in Deutschland zu Ende, doch sie will auf jeden Fall nach Mexiko zurückkehren und dort weiter als investigative Journalistin arbeiten. „Ich möchte, dass mein Land die Wahrheit über unsere Politiker und Geschäftsleute erfährt“, sagte sie. Aber sie äußerte auch einen persönlichen Wunsch: „Ich möchte auch in Mexiko wieder ohne kugelsichere Weste arbeiten können.“

Sehen sie hier eine kurzes Video zum Leben und Wirken von Frau Ana Lilia Pérez.

Mehr über die Hamburger Stiftung für politisch Verfolgte erfahren Sie unter: www.hamburger-stiftung.de.