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Meine vier Wunschzettel...

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...stehen heute noch auf bedrucktem, morgen aber auf elektronischem Papier, wenn wir die Zukunft mutig gestalten

Dr. Andreas Wiele, Vorstand BILD-Gruppe und Zeitschriften, Axel-Springer AG, Mitglied im Vorstand der Publikumszeitschriften (PZ) im VDZ

Auch im Juli – dem Zeitpunkt des Erscheinens dieses Jahrbuches – darf es erlaubt sein, bereits Wunschzettel zu schreiben; schließlich kommen die ersten Lebkuchen auch schon im August in die Geschäfte und mancherorts der Weihnachtsschmuck bereits im Oktober aus den Kartons. Ich richte meine Wunschzettel aber nicht an den Weihnachtsmann, sondern an uns Verlage und an Apple, an Google und an Facebook als den großen neuen Infrastrukturbetreibern unserer Branche. Und wenn nur einige meiner Wünsche in Erfüllung gehen, dann steht den Zeitschriften eine neue Blütezeit bevor.

Mein Wunschzettel an die Verlage

  1. Lassen Sie uns die Tablet-PCs als historische Chance nutzen, den wesentlichsten Geburtsfehler des Internets zu korrigieren, die Gratiskultur für Inhalte. Das iPad von Apple ist der Vorläufer des elektronischen Papiers. Zusammen mit dem iTunes-Store ist es den Kaliforniern gelungen, einen digitalen Marktplatz zu schaffen, auf dem unsere Leser bereit sind, für unsere Magazine und Zeitungen zu bezahlen. 2010 war das Jahr des iPads, 2011 ist das Jahr der Alternativen, und 2012 wird den Tablet-Markt endgültig zum Massenmarkt machen. In fünf Jahren wird es in Deutschland sicher 15 Millionen dieser elektronischen Lesegeräte geben – das sind 15 Millionen potenzielle Käufer für Spiegel, Hörzu oder Bunte.
  2. Ich wünsche mir, dass wir Verlage uns weiter mit ganzer Kraft auf die Bedeutung und – im doppelten Wortsinne – den Wert der journalistischen Arbeit konzentrieren. Nur wenn wir weiterhin einzigartige Inhalte schaffen und diese modern und attraktiv präsentieren, werden unsere Leser diesen Wert – den Preis – zu schätzen wissen. Schon heute machen die ersten Erkenntnisse viel Mut: Die Nutzung der Zeitungs- und Zeitschriftenlektüre steigt. 52 Prozent der Befragten aus der iPad-Panel-Studie von Axel Springer Media Impact geben an, mehr Zeitschriften und Zeitungen zu lesen, seitdem sie ihr Apple-Gerät haben. Dabei bezieht sich die vermehrte Nutzung sowohl auf die gedruckte als auch auf die digitale App-Ausgabe des Titels.
  3. Deshalb ist es so wichtig, dass wir baldmöglichst eine einheitliche Ausweisung der Auflage für App- und Printverkäufe erreichen. Ein verkauftes Printexemplar des Stern oder von Auto BILD muss genauso in die harte Währung der IVW einzahlen wie die zum vollen Preis verkaufte multimediale App-Ausgabe der gleichen Zeitschriftenmarke. Nur so lässt sich der Erfolg einer Zeitschrift in Zukunft wirklich messen.

Mein Wunschzettel an Apple

  1. Als allererstes wünsche ich Apple eine Fortsetzung, wenn nicht gar Beschleunigung der iPad-Erfolgsstory. Gleichzeitig wünsche ich Apple möglichst viele erfolgreiche Konkurrenten. Zusammen wird dies die Verbreitung und die Qualität der Tablets heben sowie den Preis und die Zeit bis zum wirklichen elektronischen Papier deutlich reduzieren.
  2. Alle Tablet-Hersteller – allen voran Apple – sollten sich ihrer Verantwortung als den digitalen Grossisten der Zukunft bewusst sein und sich den bewährten Regeln des Pressevertriebes unterwerfen. Diese heißen angewandt auf die digitale Welt:
  • Alle journalistischen Apps müssen im App-Store unzensiert und unverzüglich freigeschaltet werden,
  • Die Kundenbeziehung gehört auf alle Fälle beim Abonnenten zumindest auch dem Verlag,
  • Die Verlage müssen die absolute Freiheit haben, die Preise der eigenen Angebote selbst festzulegen, zu ändern und Promotion- Angebote zu machen,
  • Kunden müssen die Möglichkeit haben, ihre Lieblingszeitschrift in einem Bestellvorgang und zu einem Kombipreis sowohl als App- als auch als Printausgabe zu bekommen und dies in jedem ‚elektronischen Kiosk’ ihrer Wahl,
  • Der Erfolg eines Marktplatzes wird auch über den Preis entschieden. Je höher die Provision für Apple und Co., desto höher der Preis für den Verbraucher und desto geringer die Erfolgswahrscheinlichkeit. Ein fairer Provisionsanteil für einen elektronischen Marktplatz ohne Warenrisiko liegt nach unserer Überzeugung bei höchstens 20 Prozent.

Mein Wunschzettel an Google

  1. Google ist mit einem großen Traum gestartet: Das gesamte Wissen der Menschheit allen über das Internet ohne Diskriminierung zugänglich zu machen. Mit diesem Traum ist Google groß, riesengroß geworden und ist heute der monopolähnliche Kiosk für den Zugang zu fast allen Angeboten im Internet. Ich wünsche Google, dass es seinem Traum treu bleibt.
  2. Dazu gehört vor allem die faire Suche für alle Nutzer und für alle Inhalteanbieter. Google darf niemals die eigenen Produkte wie Google-Maps oder Google-Products in der eigenen Suche bevorzugen. Wenn hier nicht genau der gleiche Suchalgorithmus gilt wie bei allen anderen Webinhalten, verstößt die Firma gegen ihre Gründungs-DNA und – angesichts ihrer Marktstellung – ganz sicher auch gegen Wettbewerbsrecht.
  3. Ich wünsche mir, dass Google die schöpferische Leistung der Journalisten und Verlage nicht nur moralisch, sondern auch kommerziell vollständig anerkennt. Dies kann am besten über eine angemessene Bezahlung für die Nutzung der Inhalte in der Suche und deren Monetarisierung geschehen, dem sogenannten Fair Share.

Mein Wunschzettel an Facebook

  1. Facebook ist ‚the new kid on the block’, und ich wünsche Facebook deshalb vor allem, dass es ganz schnell erwachsen wird und zu einem echten zweiten Kiosk neben Google für den Zugang zu unseren journalistischen Webangeboten wird.
  2. Zum Erwachsenwerden gehört natürlich auch, dass sich Facebook an die ganzen Regeln der Erwachsenenwelt hält – wie den Schutz der Privatsphäre und die Beachtung von Urheberrechten.
  3. Und ich wünsche mir, dass Facebook noch schneller lernt als mancher Vorgänger. Also: ‚Facebook Credits’ ist cool, aber lasst doch bitte auch andere Bezahlsysteme zu und verlangt nicht 30 Prozent für ein reines Zahlsystem ohne Store; fünf bis zehn Prozent wären auch genug.

Wünsche ich mir Unmögliches? Ich glaube kaum. Aber schon als Kind habe ich gelernt, dass es nicht reicht, nur auf den Weihnachtsmann zu warten. Deshalb sollten wir unsere digitale Zukunft gemeinsam gestalten. Und unsere Zeitschriften in ein erfolgreiches Zeitalter führen, egal ob auf Papier oder dem digitalen Bildschirm