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"Kreativwirtschaft muss zur Chefsache werden"

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Deutsche Content Allianz auf dem Internationalen Medienkongress Berlin

"Bund und Länder, Politik und Gesellschaft  müssen in den kommenden politischen Entscheidungszyklen dem medialen Wandel mehr Aufmerksamkeit und Gestaltungskraft widmen als bisher." Das war eine der zentralen Botschaften des Panels der Deutschen Content Allianz(DCA) und der Politik auf dem Internationalen Medienkongress in Berlin. Unter dem Motto "Chefsache Kreativwirtschaft! Wie geht's weiter mit Netzpolitik und Urheberrecht?" diskutierten gestern Nachmittag Vertreter der Deutschen Content Allianz (DCA) und der Politik.

Jürgen Doetz, VPRT, bilanzierte die bisherige Arbeit der DCA und wagte einen Blick nach vorn. Die Anliegen der Inhalteanbieter seien inzwischen in der Politik angekommen: "Wir haben uns auf Bundes- und EU-Ebene Gehör verschafft." In der kommenden Legislaturperiode sei nun entscheidend, dass "Inhalte zur Chefsache werden" und konkrete Maßnahmen ergriffen werden. Netzpolitik betreffe alle gesellschaftlichen Bereiche, könne eine Politik zum Erhalt der kreativen Medieninhalte aber nicht ersetzen.

Prof. Dieter Gorny, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes Musikindustrie e.V. (BVMI), plädierte nachdrücklich dafür, die Transformationsprozesse stärker als bisher zu gestalten. Die Debatte um die Wertschätzung kreativer Leistungen dürfte nicht einer technologieaffinen Minderheit überlassen werden, sondern gehe die gesamte Gesellschaft an. "Es gibt nur eine Welt, es gibt keine digitale Nebenwelt".

Stephan Scherzer, Hauptgeschäftsführer des VDZ Verband Deutscher Zeitschriftenverleger, unterstützt diese Forderung. Er betonte, dass mit dem LSR ein wichtiger und historischer erster Schritt zur Anpassung des Urheberrechtsschutzes an die Herausforderungen der Digitalisierung getan wurde, dass diese Fragen nun aber auch weiterhin Chefsache jeder Regierung sein müsse, die hochwertige Medien und Inhalte ermöglichen wolle. Die Medienhäuser seien dabei, das neue Recht verwertbar zu machen. An die Politik gerichtet appellierte er, "Verlagshäuser brauchen keinen Artenschutz, sondern Rahmenbedingungen zur Entfaltung und Weiterentwicklung neuer Geschäftsmodelle, insbesondere beim Datenschutz und bei Werberegulierungen."

Peter Weber, Justitiar des Zweiten Deutschen Fernsehens (ZDF), plädierte für eine stärkere Gestaltung der Rahmenbedingungen für Content. "Urheberrecht braucht Akzeptanz! Es bedarf angemessener Rechterklärungsinstrumente für mehr legale Angebote, auch um Nutzungen an der Rechtsordnung vorbei zu bekämpfen." Regelungen zur Netzneutralität und zur Plattformregulierung müssten eine diskriminierungsfreie Verbreitung und den Zugang des Zuschauers zu medialen Angeboten angemessen absichern.

Dr. Carsten Brosda, Bevollmächtigter des Senats der Freien und Hansestadt Hamburg für Medien, griff die Botschaften der DCA-Vertreter auf und forderte Medien-Kreativ und Netzwirtschaft dazu auf, verstärkt an einem gemeinsamen Verständnis der Umbruchsituation zu arbeiten und dabei die besondere gesellschaftliche und kulturelle Bedeutung der Inhalte anzuerkennen. Hier sieht er auch die Bundesländer in der Pflicht: "Wir bearbeiten bisweilen auch deshalb den medienpolitischen Kulturwandel zu wenig, weil wir uns manchmal zu sehr von den technologischen Möglichkeiten blenden lassen." Notwendig sei, diese Aspekte zum Beispiel in neuen Wertschöpfungskonstellationen in beiderseitigem Nutzen zueinander in Beziehung zu setzen - in der Diskussion und in den zu entwickelnden Media Governance-Strukturen. Dazu fehle dem Transformationsprozess der Medien in Deutschland mehr als in anderen Ländern eine umfassende praxis- und  anwendungsorientierte wissenschaftliche Begleitung.

Die DCA kündigte an, sich mit wesentlichen Kernanliegen unmittelbar nach den Wahlen an die künftige Bundesregierung zu wenden.