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Kooperation statt Konfrontation

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Zur gemeinsamen Zukunft der Zeitschriften in einer digitalisierten Medienwelt

Philipp Welte, Hubert Burda Media, Vorstand Verlage, Vermarktung, Vertrieb, Mitglied im Vorstand der Publikumszeitschriften (PZ) im VDZ

Es scheint für viele eine Überraschung zu sein, dass Zeitschriften auch in der digitalisierten Medienwelt einen relevanten Platz haben und den auch noch selbstbewusst in Anspruch nehmen. Wenn man manche Wortmeldungen gewichtiger Kollegen aus der Branche aufmerksam verfolgt, dann erstaunt die schwer zu leugnende Existenz von kerngesunden Print-Medien im Deutschland des Jahres 2011 sogar in unseren eigenen Kreisen. Wir Print-Leute lassen unsere Branche verbal seit 15 Jahren bühnenreif und mit großem Theaterdonner sterben – und das bei meist zweistelligen Renditen.

Was ist passiert, das uns so intensiv von den „letzten Dingen“ unserer Branche reden lässt? Ja: Die Digitalisierung war der Urknall für ein unglaublich schnell wachsendes, faszinierendes Universum, in dem die Welt der Printmedien nur noch ein Planet ist. Aber was tut nun der freisinnige Konsument in seinem unüberschaubaren Ozean an Information und Unterhaltung? Er kauft Zeitschriften. Jeden Tag. Jede Woche. Jeden Monat. Allein im letzten Jahr 2,5 Milliarden Exemplare.

Ein Stück Realität anderer Branchen

Printmedien sind also offensichtlich höchst relevant, der Markt ist stabil, das Geschäftsmodell „Zeitschrift“ kerngesund. Auch wenn das Werbegeschäft in einer nie gesehenen Dimension geschrumpft ist, bleibt unser Geschäft doch hochprofitabel. In den Markt zieht lediglich ein Stück Realität anderer Branchen ein. Diese neue Realität ist härter und nüchterner. Deshalb verlangt sie von jedem einzelnen von uns und von uns als Gattung in erster Linie drei Qualitäten:

  • Effizienz: Wir müssen die Produktion unserer Medien und ihre Vermarktung auf eine nachhaltig effizientere Kostenbasis stellen.
  • Exzellenz: Wir müssen exzellente Zeitschriften machen und sie gemeinsam in einem intermediären Wettbewerb exzellent vertreiben und vermarkten.
  • Mut: Wir müssen als Angreifer in den Markt gehen, und zwar gemeinsam. Das verlangt von uns den Mut, die tradierten Grenzen innerhalb unserer Branche zu überschreiten.

Es wird höchste Zeit zu erkennen, dass uns Verlage wesentlich mehr verbindet als trennt. Setzen wir also auf Kooperation statt auf Konfrontation. Besonders an der umkämpften Schnittstelle zum Werbemarkt. Kunden und Agenturen bedauern seit Jahren, wie kompliziert Print-Planung tatsächlich ist, und sie haben Recht: Während Fernsehen und Internet es den Kunden und Agenturen möglichst einfach machen und sich in große Einheiten integriert haben, ist allein schon die Menge der Print-Vermarkter in Deutschland nicht mehr zu zählen. Wir sind komplex und komplizert.

Wenn es uns gelingt, unser Denken zu verändern und zusammen statt gegeneinander zu arbeiten, können wir Verlage in der digitalisierten Medienwelt nicht einfach nur überleben. Wir können dort eine wundervolle Zukunft haben.