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Festakt 60 Jahre Konfessionelle Presse im VDZ

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"Zwischen wirtschaftlicher Rentabilität und pastoraler Effizienz"

Jan Bayer, Vorstand Axel Springer SE

Im Fachverband Konfessionelle Presse haben sich seit 1954 die in den Mitgliedsverbänden des VDZ organisierten konfessionellen Zeitschriftenverleger zusammengeschlossen. Amts- und Würdenträger der katholischen und evangelischen Kirche, Verleger sowie Vertreter aus Politik und Verbänden trafen sich am 1. Oktober 2014 zu einem Festakt im Haus der Presse. Die Freude über das 60-jährige Jubiläum wurde von einer zuversichtlichen Grundstimmung begleitet, die aus der Bestandsaufnahme der konfessionellen Publizistik und dem Ausblick auf ihre künftige Rolle und Position in der Medienlandschaft resultierte.

VDZ-Vizepräsident Dr. Rudolf Thiemann, Verleger Liborius-Gruppe und Vorsitzender Fachverband Konfessionelle Presse, fokussierte in seiner Ansprache neben der allgemeinen Branchensituation die besonderen Herausforderungen des Fachverbandes. Dieser sei gegenüber den Publikums- und Fachzeitschriften von einer Besonderheit geprägt: Die Mitglieder seien überwiegend Zeitschriftenverlage, die sich im kirchlichen Besitz befinden, bzw. im Auftrag der Kirche handeln. Im Spannungsfeld zwischen Auftrag und Wirtschaftlichkeit wandelten sie "auf dem schmalen Grat zwischen wirtschaftlicher Rentabilität und pastoraler Effizienz." Dies gelte ebenso für Frauen-, Jugend- und Familienzeitschriften, die sich als konfessionelle Zeitschriften verstünden. Ihre gemeinsame Herausforderung sei der  tiefgreifende gesellschaftliche Wandel und die Einstellung der nachwachsenden Generationen zur Kirche und deren Angeboten. "Wenn Verkündigung, christliche Lebensorientierung, Spiritualität und Sinnstiftung im christlichen Glauben Kernthemen der christlichen Publizistik sind, wird man sich auf Seiten der Verantwortlichen fragen müssen, ob das Anforderungsprofil der Sinnsuchenden deckungsgleich ist", sagte Thiemann. Dies könne mit einem Medium nicht auf alle Suchenden zutreffen. Daher gebe es bei den Verantwortlichen vermehrt Überlegungen, das fernere Kirchenvolk mit kostenlosen Mitgliederzeitschriften zu erreichen. Das müsse man nicht kritisieren, dürfe aber feststellen, dass damit das erwähnte Spannungsfeld (Auftrag und Wirtschaftlichkeit) zu alleinigen Gunsten pastoraler Effizienz verlassen werde.

Der VDZ-Vizepräsident verband seinen Dank an die Partnerverbände Katholischer Medienverband (KM.) und Evangelischer Medienverband in Deutschland (EMVD) mit einem Appell an alle Beteiligten: Es gelte auszuloten, wie die Zusammenarbeit zum Wohle und Nutzen der konfessionellen Publizistik künftig noch intensiviert werden könne. Dies schließe ausdrücklich Kooperationen auf redaktioneller und verlagskaufmännischer Ebene ein. Wirtschaftlich sinnvoll zu agieren heiße schließlich nicht, den Auftrag zu verraten.

Leider konnte der Medienbischof der Deutschen Bischofskonferenz Dr. Gebhard Fürst wegen Sperrung des Berliner Luftraums das Grußwort nicht selbst vortragen. So musste der Pressesprecher Matthias Kopp einspringen. Er dankte im Namen der Deutschen Bischofskonferenz dem Fachverband Konfessionelle Presse, dass deren Medien neben Information und Unterhaltung vor allem auch dem Interesse nach Werten und deren Vermittlung Rechnung trügen. "Diese Orientierung, diese Einordnung von Geschehnissen innerhalb und außerhalb der Kirchen sowie die Anstöße zu Lebens- und Glaubensfragen sind das große Kapital der konfessionellen Presse", hob Kopp hervor. Deren Leser seien im Vergleich zu anderen Print-Titel sehr treu. Sie vertrauten den Verleger und Redakteuren über viele Jahre hinweg.

Der Medienbischof der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Dr. Ulrich Fischer, bezeichnete angesichts des digitalen Wandels die konfessionelle Publizistik als einen beständigen Faktor in der Medienbranche. Trotz der zum Teil erheblichen Auflagenverluste in den vergangenen zehn Jahren gebe es keinen Grund, den Kopf in den Sand zu stecken, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende des Gemeinschaftswerkes der Evangelischen Publizistik (GEP): "In all unseren Verlags- und Medienhäusern wird daran gearbeitet, zukunftsfest zu werden." Dazu gehöre vor allem auch, die Printangebote crossmedial und multimedial weiterzuentwickeln.

Springer-Vorstand Jan Bayer sprach zum Thema "Welche Zukunft hat werteorientierter Journalismus?" Die Antwort auf diese Frage ist auch vor dem Hintergrund der Digitalisierung zu sehen, die Bayer als die größte industrielle Revolution bezeichnete, "die wir erleben". Sie führe in allen Mediengattungen zu Veränderungen und Verunsicherungen. Um dennoch werteorientierten Journalismus zu gewährleisten, sei eine Rückbesinnung auf grundlegende Tugenden wichtig: "Unsere Tugenden sind Klugheit, Tapferkeit, Wahrhaftigkeit". Dazu gehört auch, sich der Anfangsjahre der Bundesrepublik bewusst zu sein; sich vor Augen zu halten, was die Verlage stark gemacht habe. Zudem gehe es um mehr als um Umsatz – das habe die Präambel des Axel Springer Verlages immer auch ausgedrückt. Gleichzeitig stehe man für Modernität – dies schließt ein, dass Papier nur eine Form des Vertriebs darstellt.

Den inhaltlichen Abschluss des Festaktes bildete eine Diskussionsrunde zur Frage "Wohin steuert die Kirche und ihre konfessionelle Publizistik": Medienbischof Dr. Ulrich Fischer, der Chefredakteur von "Unsere Kirche" Gerd-Matthias Hoeffchen und Ulrich Waschki, Chefredakteur Verlagsgruppe Bistumspresse, stellten sich den Fragen von Matthias Kopp, Pressesprecher der Deutschen Bischofskonferenz, der die Runde moderierte.

 

Im Fachverband Konfessionelle Presse sind aktuell 35 Verlage organisiert. Insgesamt weisen die Konfessionellen Zeitschriften einen geringeren Umsatz, aber auch eine weitaus geringere Titelanzahl als Publikumszeitschriften und Fachzeitschriften aus. Auch in der Wahl der Vertriebswege und der Art und Weise der Kundenbindung unterscheiden sich die konfessionellen Titel von den anderen Gattungen.

Trotz kontinuierlich sinkender Auflagen auch wegen der spezifischen Leserschaft der Titel ist die Erlössituation recht stabil. Der Rückgang liegt jährlich bei etwa drei Prozent. Konjunkturresistent stellen sich die Anzeigenerlöse dar, allerdings machen diese nur gut zehn Prozent der Gesamterlöse aus.

Nach einer aktuellen repräsentativen Umfrage von TNS Emnid im Auftrag der KONPRESS-Medien eG innerhalb der Bistümer und Landeskirchenbezirke kennen 19 Millionen Menschen in Deutschland die evangelischen und katholischen Kirchen- und Bistumszeitungen. Statistisch betrachtet hat die konfessionelle Presse 3,7 Leser pro Ausgabe.

KONPRESS ist ein Zusammenschluss von 37 Titeln der katholischen und evangelischen Publizistik mit einer wöchentlich verkauften Gesamtauflage von rund 850.000 Exemplaren und einer Reichweite von 3,1 Millionen Lesern.