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Digital Innovators’ Summit: Im Dreiklang vereint

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Adzine-Interview mit Alexander von Reibnitz, VDZ

Adzine: Herr von Reibnitz, Sie sind Geschäftsführer Anzeigen und Digitale Medien beim VDZ. Das ist eine interessante Kombination. Oftmals sind diese Positionen getrennt voneinander besetzt. Seit wann haben Sie diese inne? Und was machen Sie genau?

Alexander von Reibnitz: In der Verlagswirklichkeit sind in der vergangenen Zeit die Bereiche Digital und Anzeigen dichter zusammengerückt. Die Änderungen bei den Mitgliedsunternehmen spiegeln sich auch in den Strukturen des VDZ als Spitzenorganisation der Zeitschriftenverlage wider. Es gibt viele Synergie-Effekte, die durch diese Personalunion realisiert werden können. Die Doppelfunktion halte ich seit Oktober 2010.

Adzine: Der DIS fand zum vierten Mal in Berlin statt. Gastgeber waren neben dem VDZ, die FIPP (Weltverlegerverband) und die Beratung emediaSF. Über 450 Teilnehmer hatten sich aus 35 Ländern angemeldet, 30 Top Speaker waren an Bord. Wurden Ihre Erwartungen auch erfüllt?

 

 

Von Reibnitz: Der 4. Digital Innovators´ Summit ist auf hervorragende Resonanz nach innen und nach außen gestoßen. Drei „Is“ treffen seinen Markenkern am besten: Internationalität, Innovation und Information. Internationalität durch Gäste aus 35 Ländern, davon jeweils zu einem Drittel aus Deutschland, aus Europa und aus dem Rest der Welt. Innovation, weil der Digital Innovators‘ Summit neueste Geschäftsmodelle und Trends aufspürt. Und Information, weil er einen persönlichen Austausch in einer Atmosphäre aus Offenheit und Professionalität ermöglicht. Mehr denn je war der Digital Innovators‘ Summit so ein Spiegel und ein Temperaturmesser der digitalen verlegerischen Entwicklung.

Adzine: Was waren die Highlights?

Von Reibnitz: Im Vordergrund standen vor allem die Themen Online-Werbetrends, Allianzen und Diversifikation. Allianzen von Verlagen sind, so machte es vor allem Stephen M. Lacy, Aufsichtsratsvorsitzender der Meredith Corporation, deutlich, keine Gegner der neuen Infrastruktur von Apple, Google etc., sondern eine Möglichkeit, effizienter zu sein. Interessante neue Ansätze zu Kooperationsmodellen bei der Vermarktung von Online-Werbung brachte Christoph Schuh, Vorstandsmitglied TOMORROW FOCUS, ins Spiel. Auch Peter Würtenberger, CMO Axel Springer, betonte, dass Kooperationen vor allem im Gattungsmarketing und in der Marktforschung hilfreich sind.

Adzine: Online-Angebote haben es noch immer schwer. Dennoch gibt es Erfolgsbeispiele wie die Huffington Post. Welche sind aktuell die besten aus Ihrer Sicht und warum?

Von Reibnitz: Verlagsangebote mit ihren hoch qualitativen Inhalten steigern ihre Reichweite kontinuierlich, die Akzeptanz der Nutzer ist also groß und wachsend. Die Refinanzierung erfolgt noch hauptsächlich durch Online-Werbung, hier sind Verlage aber dabei, zusätzliche Erlösquellen zu erschließen, um die Refinanzierung auf eine breitere Basis zu stellen. Der Vermarktungserfolg ist sicher auch durch Kooperationen noch steigerungsfähig. Ein gutes Beispiel für duale Geschäftsmodelle ist der Bereich E-Publishing, bei dem die Verlage neben Werbung auch Inhalte verkaufen, genau wie in Print. Nach einer aktuellen Umfrage des VDZ werden in zwei Jahren Verlage bei über 70 Prozent ihrer Titel kostenpflichtige Apps anbieten.

Adzine: Wird es bald ein Zweiklassen-Online-Angebot geben: Auf der einen Seite das klassische Internet mit teilweise schwachen Inhalten, aber hoher Reichweite und auf der anderen Seite bezahlte Edel-Publisher-Angebote mit qualitativ hochwertigen Inhalten und weniger Werbung?

Von Reibnitz: Das Gratis-Internet wird durch Paid-Content-Angebote nicht austrocknen, allerdings wird die Frage zu beantworten sein, wie die Inhalte refinanziert werden können. Das „Gratis-Internet“ könnte zukünftig eher der allgemeinen Information dienen. Menschen, die hingegen auf verbriefte Informationen und qualitativen Journalismus setzen, werden dafür insbesondere auf den mobilen Endgeräten auch bezahlen, künftig eher noch mehr als heute.

Adzine: Sowohl die Axel Springer AG, die Bertelsmann AG als auch Die Zeit von Holtzbrinck haben 2010 sehr gute Geschäftsergebnisse vorgelegt. Zahlt das nicht auch auf das digitale Angebot – und vice versa – aus?

Von Reibnitz: Dies ist sehr erfreulich. Im Bereich der Kommerzialisierung von redaktionellen Online-Angeboten gibt es allerdings noch viel Potenzial. Des Weiteren verfolgen viele Verlage eine erfolgreiche Diversifizierungsstrategie und setzen im Internet verstärkt auf transaktionsbasierte Geschäftsmodelle. Auch dafür werben wir mit dem DIS und zeigen Erfolgsbeispiele auf.

Adzine: Und wie ist es um die Online-Werbung bei positiven Geschäftsergebnissen bestellt?

Von Reibnitz: Online-Werbung trägt einen wachsenden Anteil zu den Umsatzzuwächsen bei.

Adzine: Glauben Sie, dass in bezahlten Zeitschriftenabos (Apps) Display-Werbung genauso selbstverständlich sein wird wie heute in den Printmagazinen?

Von Reibnitz: Ja, absolut, denn Werbemittel in Apps bieten Werbungtreibenden eine Vielzahl von interaktiven Möglichkeiten und über die Integration von Bewegtbildern eine höhere Emotionalisierung. In einigen Segmenten gehört die Werbung zum Lesererlebnis, wie z. B. in Mode- und Einrichtungszeitschriften. Das gilt analog für deren Apps.

Adzine: Für die Verlage wird das Digitalgeschäft immer wichtiger, dennoch ist im Online-Geschäft noch viel Luft nach oben, oder?

Von Reibnitz: Ja, aber nicht nur bei contentgetriebenen Websites, sondern auch bei Transaktionswebsites oder im Kleinanzeigenbereich.

Adzine: Das Medium ist bekanntlich die Botschaft und Apples iPad ist in der Tablet-Geräteklasse Chef im „App-Ring“. Wie bewertet der VDZ Apples Geschäftsgebaren?

Von Reibnitz:
Apple hat mit dem iPad ein neues Segment geschaffen, das viele neue Möglichkeiten für Verlage eröffnet. Die Verlage sehen das zweifellos als große Chance. Aber der VDZ steht Apple auch kritisch gegenüber, da die Geschäftsbedingungen nicht in allen Bereichen annehmbar sind. Hier setzen wir deshalb auf Gespräche, um die Geschäftsmodelle für alle Seiten attraktiv zu gestalten.

Adzine: Ist Google mit „One Pass“ eine echte Alternative? Wie stellt sich der VDZ den „digitalen Idealzustand“ für den eigenen Vertrieb und die Werbevermarktung vor?

Von Reibnitz: Googles „One Pass“ ist keine direkte Alternative, da es sich nicht um einen Store wie iTunes handelt, sondern „nur“ um ein Bezahlverfahren. Dennoch ist es gut und richtig, damit neue digitale Vertriebsmöglichkeiten zu realisieren.

Adzine: Im stationären Internet erwarten die Fachleute in den nächsten zwei Jahren den Durchbruch des automatisierten Handels einzelner Ad Impressi-ons in Echtzeit. Ist das bereits ein Thema bei den Zeitschriftenverlagen? Wie schätzen Sie das Thema ein?

Von Reibnitz: Für einzelne Inventarsegmente kann diese automatisierte Form der Vermarktung durchaus effizient und erfolgreich sein, allerdings wird die Vermarktung der Premiumumfelder immer individuell und direkt erfolgen.

Adzine: Herr von Reibnitz, wir danken für dieses Gespräch.