Ihr direkter
Weg zu uns.

Navigation
Seite weiterempfehlen

„Die Digitalisierung wird für Verleger zur Normalität“

Print & Digital Startseite

Zum fünften Mal traf sich die internationale Community des Digital Innovators’ Summit, der zum Gradmesser des digitalen Fortschritts bei Verlagen geworden ist

»Die Digitalisierung ist voll bei den Medien angekommen, sie ist erfolgreiche Normalität geworden. Die Verlagshäuser beschäftigen sich nicht mehr mit der Frage, wie sie auf digitalen Plattformen erfolgreich sein können, sondern sind schon mitten auf dem Spielfeld.« Diese Bilanz zog VDZ-Hauptgeschäftsführer Stephan Scherzer zum Abschluss des 5. Digital Innovators’ Summit (DIS) am 12. und 13. März 2012. »Der DIS hat sich als internationale Plattform relevanter Show-Cases, intensiver Know How-Transfers, nutzwertiger Inhalte und moderner Formate etabliert. Es war ein Kongress rund um digitale Kompetenz mit 450 Teilnehmern aus 37 Nationen, die in den vergangenen fünf Jahren zu einer ›DIS-Community‹ zusammengewachsen sind.« Jetzt komme es darauf an, die deutlich gesteigerten Reichweiten mit bereits funktionierenden Geschäftsmodellen zu kombinieren, Social Media klug zu integrieren und vorausschauend die mobilen Chancen zu greifen. In einem Umfeld mit immer mehr und digitalen Wettbewerbern, zu denen neben Amazon, Ap le, Facebook und Google durchaus auch starke Markenartikler wie Red Bull, BMW oder Coke gehörten, müssten Publisher alle Medienkanäle auf- und ausbauen. »Moderne Verlage betten ihre Marken in den Alltag der Anwender ein – egal auf welchem Kanal. Dabei setzen sie auf ihrer Inhaltskompetenz und Markenstärke«, so Scherzer.

Digitalisierung und Internationalisierung

Führende deutsche Verlagshäuser erwirtschafteten bereits bis zu einem Drittel ihrer Umsätze im digitalen Bereich, hatte zuvor Alexander von Reibnitz, Geschäftsführer Anzeigen und Digitale Medien im VDZ, festgestellt. Ein weiterer weltweiter Trend, der sich auch auf dem DIS wiederspiegele, sei die erfolgreiche Internationalisierung der Verlagshäuser Digital-Aktivitäten. Als aktuelle Beispiele nannte er Wall Street Journal und Washington Post, die in Europa lokale Websites aufgebaut hätten. Für die deutsche Seite erläuterte auf der Konferenz Jens Müffelmann, Director Digital Investments bei Axel Springer, die Unternehmensstrategie seines Hauses. Digitalisierung und Internationalisierung seien bei Springer bereits vor zehn Jahren als entscheidende Faktoren für Wachstum erkannt worden. Folgerichtig haben 2011 im internationalen Geschäft die Digitalumsätze schon fast die Hälfte aller Umsätze ausgemacht. Das mittelfristige Ziel sein, auch beim Gesamt-Umsatzes des Medienkonzerns 50 Prozent mit dem Digitalgeschäft zu  rzielen. Das Selbstverständnis der Verlage als internationale Premium-Contentanbieter beschrieb auf dem DIS Mark Wood, CEO, Future, UK, der insbesondere die »Neuerfindung der Magazine« durch die Markteinführung des iPads hervorhob. Die Medienwelt von heute ermögliche den Verlagen viele neue Marktchancen. Endverbraucher und Anzeigenkunden hätten heute eine viel größere Medienauswahl, die neue Geschäftsgelegenheiten ermöglichte. Future UK hätte mit der Integration der vielen neuen Plattformen neue überraschende Erfolgsgeschichten schreiben können – z. B. würde Apples newsstand eine weltweite Vermarktung seiner Titel erst ermöglichen.

Social Publishing Ecosystem von Forbes

Qualitätsinhalte bleiben das Herzstück des Verlagsgeschäfts. Wie aber diese Inhalte noch effizienter produziert und noch besser auf allen Plattformen distribuiert werden können, dafür stehen vor allem Medienunternehmen wie Forbes Media. Forbes-CPO, Lewis D’Vorkin, erläuterte sein neues Redaktions-Modell. Das sogenannte »Social Publishing Ecosystem« hat zu einer Verdoppelung des Traffics von Forbes.com innerhalb von nur zwölf Monaten geführt. Bei jedem Artikel, demonstrierte D’Vorkin auf der Veranstaltung, scrollt die Leiste mit den Share- und Empfehlungsbuttons mit nach unten, wird die Zahl der Aufrufe angezeigt, werden vom Mitarbeiter selbst zusammengestellte Links angeboten. D’Vorkin verwies darauf, dass immer mehr Traffic durch Social Media auf die Seiten gelenkt würde, während der Anteil der suchmaschinengenerierten Besuche sinke. Seien 2010 noch zwei Prozent der Seitenaufrufe aus Social Media gekommen, seien es 2011 schon 17 Prozent gewesen. Doch nicht nur der Journalismus, auch das Anzeigengeschäft habe  2011 eine disruptive Entwicklung erfahren. Bei Forbes könnten selbst Anzeigenkunden inzwischen zur Generierung von Inhalten die gleichen Tools wie die Redaktion benutzen; diese Berichte werden auch mit dem Urheber gekennzeichnet. Forbes sei damit, so D’Vorkin, auch eine neue Beziehung zu seinen Kunden eingegangen.

Zusätzlicher Traffic durch Twitter

Für eine stärkere Nutzung von Twitter durch die Verlage warb Katie Stanton, Vice President Market Development Twitter. Twitter biete viele Möglichkeiten, zusätzlichen Traffic auf die Seiten der Verlage zu bringen. Tablet-PCs, Social Media, die Möglichkeiten des Targeting in der Online-Werbung und die Risiken und Chancen des Datenmanagements der Verlage bildeten weitere Themenschwerpunkte der Konferenz. An den Big Four, Apple, Amazon, Google und Facebook, komme niemand vorbei, stellte Veit Siegenheim, Managing Director von StrategyFacts, fest. Derzeit arbeiteten die meisten Start-ups in Silicon Valley an Anwendungen für diese vier Unternehmen, deren Marktstellung sich in Zukunft dadurch noch vergrößern werde. Da ein direkter Wettbewerb für einzelne Verlage allein aufgrund der Größenund Reichweitenverhältnisse schwierig sei, riet er den Verlagen zu mehr Kooperationen und Allianzen, um einerseits selbst kritische Massen im Internet zu erreichen und andererseits ihre Verhandlungsmacht zu steigern.

Der durch die Digitalisierung ausgelöste Wandel in der Datenmessbarkeit war Thema von Gordon McLeod, President Krux. McLeod appellierte an die Verleger, die Datenzugriffe und Markierungen von Dritten auf ihr Online-Inventar und ihrer User zu kontrollieren. Die gute Nachricht sei, dass diese User-Daten sehr wertvoll sein, die schlechte, dass andere versuchten, sich daraus Vorteile zu verschaffen. Verleger sollten sich durch einen Schutz der Daten ihrer User profilieren. Einen guten Rat für alle Verlage zum Thema Social-Media-Trends hatte schließlich der Social- Media-Experte und Journalismus-Professor (Columbia University), Sree Sreenivasan, parat: Die Verlage sollten nicht auf jeden Social-Media- Zug aufspringen, aber frühe Tester und späte Anwender werden.

Erstmalig: Pressegespräch auf dem DIS

 Dass sich »... die deutschen Verlagshäuser durch eine erfolgreiche Diversifikation zu relevanten und erfolgreichen Digitalplayern entwickelt haben«, erläuterte Christoph Schuh, Sprecher des Arbeitskreises Digitale Medien im VDZ und Vorstand Tomorrow Focus AG, in einem Pressegespräch, das erstmalig im Rahmen eines Digital Innovators’ Summit stattfand. Diesen Erfolg hätten die deutschen Medien- und Digitalunternehmen trotz einer intensiven Wettbewerbssituation sowohl gegenüber nationalen Anbietern wie auch im Wettbewerb mit den Big Four – Amazon, Apple, Facebook und Google – erzielen können. Die weltweite Skalierbarkeit deren Geschäftsmodelle und der hohe Cashflow aus dem US-Heimatmarkt beeinflusse jedoch immer mehr das europäische Internet- und Mediengeschäft. Außerdem helfe US-Start-ups die Finanzierung durch eine risikofreudigere VC-Kultur dabei, den europäischen Markt zu erobern. Diese Ausgangslage bedrohe das weitere Wachstum der Medienunternehmen und der Start-up-Kultur in Europa, zumal wenn auch noch unterschiedliche rechtliche Rahmenbedingungen erschwerend dazu kommen.

6. Digital Innovators’ Summit im März 2013 wieder in Berlin

»Rechtliche Vorgaben haben erheblichen Einfluss auf die Businessmodelle europäischer Medien- und Internetunternehmen«, so Dr. Christoph Fiedler, Geschäftsführer Europa- und Medienpolitik im VDZ, beim Pressegespräch. Insbesondere hob er die geplante Neuordnung des europäischen Datenschutzes hervor, die der VDZ seit 2009 in Berlin und Brüssel begleitet und mitzugestalten sucht. »Das erfolgreiche digitale Geschäft vieler deutscher Medien- und Dienstleistungsunternehmen könnte durch falsche politische Weichenstellungen schnell beschädigt werden«, so Christoph Schuh.

Britta Bode