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Vertrieb

Das Potential des Pressevertriebs

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Gemeinsames koordiniertes Vorgehen der Verlagsbranche für mehr Attraktivität der Presseprodukte im Einzelhandel - Ein Beitrag von Torsten Brandt

Anzahl der Publikumszeitschriften am Jahresende 2012 | Basis: mindestens quartalsweise erscheinende Publikationen

Seien wir mal ehrlich: Die in Deutschland seit Jahrzehnten professionell aufgebauten Vertriebskanäle für Presseprodukte waren und sind Segen und Fluch zugleich, denn wir alle haben uns in den Systemen –sei es Presse-Grosso oder Deutsche Post- alle zu gemütlich eingerichtet. Das muss sich ändern, und zwar sofort. Die Digitalisierung wird diesen Druck noch weiter erhöhen, ob wir es wollen oder nicht. Doch zugleich birgt diese Erkenntnis eine gewaltige Ermutigung für jeden Verlag: Jede Veränderung stellt auch eine Chance dar. Durch die Analyse von dem, was wir ändern müssen, um unsere einzigartigen Produkte auch in Zukunft weiter verkaufen zu können, werden auch Potentiale sichtbar.

Der Druck zum Handeln steigt stetig

Die Zeiten für den Zeitschriftenvertrieb werden immer härter. Dies bestätigen erneut die Ergebnisse der IVW, laut deren für die meisten Gattungen am deutschen Pressemarkt auch im 4. Quartal 2012 im Vergleich mit dem Vorjahr wieder sinkende Gesamtauflagen festzustellen sind. Die Verkaufszahlen der Publikumspresse aus dem Vorquartal liegen mit durchschnittlich 108,16 Mio. Exemplaren je Ausgabe um 0,51 Prozent unter dem Vorjahresergebnis womit die Verkaufszahlensteigerung des letzten Quartals, wie sich nun herausstellt, nur eine Ausnahme des sich ständig fortsetzenden Abwärtstrends der Printverkäufe war. Demgegenüber geben die sich weitgehend positiv entwickelnden Verkaufszahlen der identischen elektronischen Ausgaben von Zeitungen und Zeitschriften (ePaper) Hoffnung. Dies sind die Rahmenbedingungen für unser Handeln.

Wir haben 2012 Einiges geschafft

Eine übergeordnete Herausforderung haben wir bereits gemeistert. Die gesetzliche Absicherung eines ganz entscheidenden Prinzips des Grosso-Systems stand im Mittelpunkt der VDZ-Vertriebsarbeit des vergangenen Jahres: Es geht um die kartellrechtliche Freistellung der Möglichkeit von freiwilligen Vereinbarungen zwischen Verlagen und Presse-Grossisten über einheitliche Standards. Einheitliche Konditionen- und Leistungsvereinbarungen sind Grundvoraussetzung für Neutralität und Pressevielfalt.

Dass die Verlegerverbände VDZ und BDZV es gemeinsam mit dem Grosso-Verband im vergangenen Jahr geschafft haben, hierzu einvernehmlich eine Ergänzung des GWB vorzuschlagen, macht Mut für die Zukunft. Die Einheit der Presse ist unser stärkster Antrieb und darf in keiner Weise relativiert werden.

Am 18. Oktober 2013 hat der Bundestag die von Verlegerverbänden und Grosso-Verband vorgeschlagene Regelung in 2. und 3. Lesung beschlossen. Der noch ausstehenden Zustimmung des Bundesrates blicke ich mit großer Zuversicht entgegen.

Den Blick nach vorne richten

Die Verankerung des Systems hat einen Großteil der Ressourcen des VDZ und des Bundesverband Presse-Grosso gebunden. Nachdem diese jetzt wieder frei sind, müssen unsere Kräfte auf das zentrale Ziel des Pressevertriebes gebündelt werden: Die Attraktivität der Presseerzeugnisse zu steigern.
Ein erfreuliches Ergebnis lieferte hierzu die durch das Euro Handelsinstitut durchgeführte Studie zur Rentabilität von Presse im Lebensmitteleinzelhandel. Es konnte objektiv nachgewiesen werden, dass das Pressesortiment insgesamt weiterhin im Vergleich zu anderen Warengruppen sehr gute Renditen erzeugt. Unsere Aufgabe ist es, dies zu erhalten und wir müssen dafür Sorge tragen, dass das Produkt Presse für den Einzelhändler noch weiter an Attraktivität gewinnt.

Unser primäres Ziel in Bezug auf unser wichtigstes Glied der Vertriebskette, dem Einzelhändler, muss die Maximierung des Umsatzes auf der zur Verfügung stehenden Fläche sein. Nur so lässt sich eine langfristige Sicherung der Angebotsfläche gewährleisten. Die Basis haben der VDZ, der BDZV und der Bundesverband Presse-Grosso durch das "Koordinierte Vertriebsmarketing" bereits geschaffen. Eine konsequente Einhaltung dieses Leistungsrahmens aller Beteiligten ist die Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Marktbearbeitung.

Doch das wird nicht reichen: Der Arbeitskreis PMV hat daher schon im Herbst letzten Jahres ein umfängliches Programm für eine Leistungsoffensive angekündigt. Hierbei steht die Leistungsoptimierung des Print-Vertriebs vor allem im Service gegenüber dem Einzelhandel gemeinsam mit dem Presse-Grosso im Vordergrund. Dazu zählen unter anderem die Optimierungsmaßnahmen im Presse-Fachhandel und die Verbesserung der Warenpräsentation.

Ein weiteres Handlungsfeld, welchem sich der Arbeitskreis PMV intensiver widmet, ergibt sich aus der für Verlage stetig steigenden strategischen Bedeutung von Verkäufen digitaler Verlagsprodukte an den Endverbraucher. Deshalb wird der Arbeitskreis PMV digitale Vertriebsthemen in den Arbeitsgruppen "distribution e-products" und "Vertrieb über social media-Plattformen" in der Arbeitsstruktur stärker hervorheben. Intensiv arbeiten wir zurzeit mit der IVW an einem Vertriebsnachweis für digitale Verlagsprodukte.

Das vergangene Jahr stand unter dem Zeichen der Stabilisierung des Systems, welches wir gemeinsam erfolgreich geschafft haben. Nun heißt es, die Leistungsoffensive im Einzelhandel konsequent voranzutreiben und zielgerichtet umzusetzen. Denn im Kategorienwettbewerb müssen wir kundenorientierter und effizienter sein als andere Kategorien. Der Einzelhandel hat ein Recht darauf, dass die durch ihn zur Verfügung gestellte Fläche effizient und umsatzmaximierend bewirtschaftet wird. Das ist die Aufgabe eines guten Category Managements, das ist die Aufgabe des Presse-Grosso, das ist die Aufgabe der Verlage.

Dieser Beitrag erschien im VDZ-Jahrbuch 2013 von Torsten Brandt, Verlagsgeschäftsführer Axel Springer SE | Sales & Operations/Controlling BILD Gruppe und Zeitschriften | Geschäftsführer Sales Impact GmbH & Co. KG.