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'Am Kiosk' mit Ingrid Rose: „Ohne Mord nix los“

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„stern Crime“ hat mit GRAZIA- und „Jolie“-Chefredakteurin Ingrid Rose einen Fan der ersten Stunde, der jede Zeile, jede Bildunterschrift und jeden Leserbrief im Heft liest. In PRINT&more 2/2020 berichtet sie von ihrer Lieblingszeitschrift.

In der PRINT&more-Rubrik "Am Kiosk" stellt in jeder Ausgabe ein Chefredakteur seinen Lieblingstitel vor - alles ist erlaubt, außer den eigenen zu präsentieren.

Wenn Gäste zum ersten Mal  bei mir zu Hause sind und durch mein Bücherregal stö­bern, kann es schon mal zu verstörten Blicken und der natürlich nicht ganz ernst gemeinten Frage kommen, ob sie sich Sorgen um ihre Sicher­heit machen müssten. Denn während bei ih­nen – zumindest angeblich – in erster Linie literarische Klassiker, Biografien oder ande­re Meisterwerke zu finden sind, ist in mei­nem Bücherregal ohne Mord nix los. Auch meinen letzten Liebesroman habe ich mit ca. 20 gelesen. Wahrscheinlich langweilten mich die Happy Ends irgendwann so sehr, dass ich eine merkwürdige „Leidenschaft“ für Mör­der und Serienkiller entwickelte. Zumindest literarisch. Begegnen möchte ich im echten Leben natürlich bitte keinem einzigen.

Wahrscheinlich ist „stern Crime“ des­halb für mich – neben den Zeitschriften, für die ich selbst arbeite – mein absolutes Lieb­lingsmagazin. So skurril es auch klingen mag: „stern Crime“ entspannt mich. Vielleicht, weil es mich in Welten entführt, die meiner beruflichen und privaten Realität glücklicher­weise total fremd sind. Ich liebe die Themenmischung und wer­de nie müde davon, alte, spannende und vor allem wahre Kriminalfälle erneut zu lesen. Mitunter fühle ich mich wie hautnah dabei, als eine Art stille Beobachterin, die die Re­porter und Autoren auf ihren Recherche­reisen in die Vergangenheit, an Tatorte, in die Gerichtsmedizin oder manchmal sogar in Gefängnisse begleiten darf.

Mich faszinieren nicht die fürchterlichen Taten selbst, sondern die Menschen und die Ge­schichten, die dahinterstecken. Wie und  warum alles so weit kommen konnte. Ob schlimme Kindheiten, schwierige Lebens­verhältnisse, psychische Erkrankungen oder manchmal auch nur skrupellose kriminelle Energie die Menschen zu Tätern werden lässt. Und ebenso schwierige Umstände oder tragische Zufälle, die andere leider zu Opfern machen. Oft gibt es Muster, manchmal aber auch Taten, für die man nie eine Erklärung finden wird. Und erst recht keine Aufklärung. All das beschreibt die Redaktion von „stern Crime“ so neutral, sensibel und detailgetreu wie möglich. Ohne dabei zu werten oder zu viel zu spekulieren.

Headlines und Texte sind nicht reiße­risch, sondern unaufgeregt, aber sprachlich auf hohem Niveau. Sie holen mich emotional meist schon zu Beginn der Geschichte ab. Die Fotos und Illustrationen sind einprä­gend, aber nie zu grausam oder zu blutig und immer mit dem nötigen Respekt vor den Opfern und ihren Angehörigen ausge­wählt. Ich mag die Klarheit der Layouts, der großen Reportagen und Texte, bei denen kein verspieltes Detail von der Story ablenkt, sondern sie gestalterisch einfach nur ein­drucksvoll unterstützt. Interviews mit Schrift­stellern, Ermittlern, Psychologen oder Foto­grafen, die am Tatort waren, runden die langen Lesestücke ab. „stern Crime“ ist eines der wenigen Magazine, in denen ich jede Zeile, jede Bildunterschrift und jeden Leser­brief lese. Und ich kann mich nicht daran erinnern, schon mal von einer einzigen Aus­gabe enttäuscht worden zu sein.

Morgen (Anm. d. R.: 6. Juni 2020) erscheint die neue „stern Crime“ und ich weiß jetzt schon, wie ich diesen wohl verregneten Sams­tagnachmittag verbringen werde. Nach dem Gang zu meinem netten Zeitschriftenhänd­ler, der mir wie immer schon ein Exemplar zurückgelegt haben wird, werde ich mein iPhone ausschalten und ein paar Stunden in die Welt des Verbrechens eintauchen. Und mich dabei ganz sicher und wohlbehütet auf meiner Couch vor mich hin gruseln. Oder in der Badewanne. Deshalb muss es für mich auch immer die Printausgabe sein. Seit 2015 habe ich nur eine einzige Ausgabe von „stern Crime“ verpasst – der Rest liegt gestapelt im Bücherregal neben Thrillern und anderen Krimis. Und die Gäste kommen trotzdem weiter­hin zu Besuch. Beim zweiten Mal dann auch ganz ohne Angst.

erschienen in PRINT&more 2/2020

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