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VZB, Verband der Zeitschriftenverlage in Bayern, Medienvielfalt, Demokratie

VZB: „Die Demokratie ist zerbrechlicher geworden“ – Kaminabend mit BR-Intendantin Dr. Katja Wildermuth

Nachrichten Fachmedien

Kaminabend des Verbandes der Zeitschriftenverlage in Bayern (VZB) mit Dr. Katja Wildermuth über die Gefahr der Horizontverengung durch Algorithmen, die Bedeutung von Qualitätsmedien und die Zusammenarbeit mit den Verlagen

(v.l.n.r.) Anina Veigel, Geschäftsführerin VZB; Dr. Gregor Peter Schmitz, Chefredakteur der Augsburger Allgemeinen; Dr. Katja Wildermuth, Intendantin des Bayerischen Rundfunks; Horst Ohligschläger, Erster Vorsitzender VZB (Foto: Christian Rudnik)

Ein Plädoyer für verstärkte Kooperationen der Qualitätsmedien stand im Mittelpunkt des exklusiven Kaminabends des Verbandes der Zeitschriftenverlage in Bayern (VZB) am 10. November zum Thema „Der Bayerische Rundfunk – Transformation und Zukunft“. In Zeiten zunehmender Emotionalisierung und Fragilität demokratischer Strukturen sei „die Bedeutung von hochwertigem Journalismus wichtiger denn je“, betonte die Intendantin des Bayerischen Rundfunks (BR), Dr. Katja Wildermuth.

Der Vorsitzende des VZB, Horst Ohligschläger, betonte bei der Diskussion im Bankhaus DONNER & REUSCHEL in München-Schwabing die Gemeinsamkeiten von öffentlich-rechtlichem Rundfunk und Zeitschriftenverlagen. Man buhle zwar um ähnliche Zielgruppen und stünde in vielen Dingen auch in einem Konkurrenzverhältnis zueinander, so Ohligschläger. Doch „wenn es dabei auch mal kracht und Linien überschritten werden“, säßen der BR und die Verlage in einem Boot, wenn es darum gehe, den seriösen Journalismus zu erhalten. Ohligschläger: „Wir stehen für Qualitätsjournalismus. Hate Speech und Fake News haben in unseren Magazinen und Medien keinen Platz.“

Danach interviewte Dr. Gregor Peter Schmitz, Chefredakteur der Augsburger Allgemeinen, die Intendantin zur Entwicklung und Strategie des BR. Zunächst rückte er den Wettstreit der Medien in den Mittelpunkt. Wildermuth beschrieb, wie die Digitalisierung und die Individualisierung die Medienwelt verändert habe. Die größte Bedrohung gehe dabei von Gatekeeper-Plattformen wie Facebook aus. Deren nicht redaktionell, sondern rein ökonomisch gesteuerter Algorithmus habe zu einer „besorgniserregenden Horizontverengung“ geführt. Wildermuth: „Die Algorithmen der Plattformgiganten führen nicht etwa zu einem größeren und ausgewogenen inhaltlichen Angebot, sondern bestärken User vor allem in dem, was sie ohnehin schon denken.“ Schmitz ergänzte, dass sich die Menschen in ihrer Filterblase wohlfühlten und damit keinen Veränderungsdruck hätten.

Die gute Nachricht in diesem Zusammenhang sei, dass „die Bedeutung der Qualitätsmedien deutlich gestiegen“ sei. Wildermuth: „Angesichts des immer größeren und ausdifferenzierten Medienangebots müssen die Menschen Medienkompetenz neu erlernen.“ In einer Zeit, die als „Ära der Disruption“ beschrieben werden könne, müssten der öffentlich-rechtliche Rundfunk und die Verleger Informationen so anbieten, dass die Menschen „Nachrichten einordnen können und in die Lage versetzt werden, Lüge von Wahrheit und Fakten von Gerüchten zu unterscheiden“. Ohne diese Kompetenz, warnte Wildermuth, „geht ein gemeinsames Verständnis von Gesellschaft und Werten verloren, Wahrheiten fallen auseinander und die Demokratie wird geschwächt.“

Der Bayerische Rundfunk stehe nach Ansicht seiner Intendantin dabei vor der Herausforderung, einerseits eine langjährige und treue Gruppe der Gesellschaft zu erreichen und andererseits neue Gruppen anzusprechen, die zunehmend non-linear Medieninhalte konsumieren. Dies gelinge nur durch eine Analyse und die Priorisierung, welche Inhalte man künftig für welche Zielgruppen auf welchen Ausspielwegen anbieten wolle. Wildermuth: „Nur mit dem Verweis auf Tradition und angestammte Sendeplätze werden wir diese Herausforderung nicht bestehen können.“ Schmitz hob hervor, dass die Priorisierung auch Kannibalisierung bedeuten könne. In Bezug auf den Sendeplatz des „Weltspiegel“ konnte mittlerweile ein Kompromiss erreicht werden.

Wildermuth plädierte für eine starke Kooperation der Qualitätsmedien, von Verlagen, öffentlich-rechtlichem und privatem Rundfunk. Als eine Möglichkeit der Zusammenarbeit mit den Verlagen nannte sie die unentgeltliche Einbindung von BR-Videos auf Verlags-Websites. „Damit haben Verlage Zugriff auf hochwertige nachrichtliche Videos, und wir erreichen komplementäre Nutzergruppen“, so Wildermuth. Darüber hinaus stellte sie weitere Kooperationsmöglichkeiten in Aussicht, zum Beispiel bei ARD alpha.

VZB-Geschäftsführerin Anina Veigel betonte, „die seriöse Berichterstattung über Tatsachen erzeugt ein gemeinsames Verständnis von Wahrheit in der Gesellschaft, fördert den konstruktiven Diskurs und damit die Demokratie. Somit sind wir alle – die Politik, die Nutzer und die Medien – dazu aufgerufen, die Medienvielfalt zu erhalten“.

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