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Verlagstrends 2020: Corona-Krise beschleunigt Digitalisierungsschub

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Über 60 Prozent der Verlage steigern Umsatz durch externe Paid-Content-Plattformen | Wachstum durch neue Geschäftsfelder, datengetriebene Modelle, Audio und Video | Prozessoptimierung steht für 70 Prozent im Vordergrund | Studie des VDZ in Kooperation mit KPMG und Prof. Dr. Thomas Hess von der LMU München zeigt hohe Innovationsfähigkeit

Die Corona-Krise hat in den Zeitschriftenverlagen durch den von ihr ausgehenden Handlungsdruck die Transformation und Digitalisierung weiter beschleunigt und den Weg für neue Arbeitsformen und Produktinnovationen freigemacht. Wie die Ergebnisse der VDZ-Studie „Verlagstrends 2020: Publisher zwischen Coronakrise und Digitalisierungsschub“ in Kooperation mit KPMG und der LMU München zeigen, haben zwei Drittel der 116 befragten Verlage auf die Krise mit verstärkter Digitalisierung reagiert. Strategisch konzentrieren sich die Verlage zurzeit vor allem auf die Optimierung von Prozessen und Arbeitsabläufen (70 Prozent), die Verbesserung der Innovationsfähigkeit (66 Prozent) und die Optimierung der IT-Infrastruktur (53 Prozent).

„Diese Krise ist ein Marathon-Stresstest, mit großer Unsicherheit in der Gesellschaft und der Wirtschaft, in der die Zeitschriftenverleger unternehmerisch aktiv und mit voller Konzentration auf die publizistischen Aufgaben agieren“, eröffnete Stephan Scherzer, Hauptgeschäftsführer des VDZ, die 60-minütige Live-Session der VDZ Akademie, in der die Ergebnisse der Studie vorgestellt wurden. „Dass die Verlagsbranche krisenerprobt ist, beweist sie seit Jahrzehnten durch Anpassungsfähigkeit an dynamische Umwälzungsprozesse und die Transformation der Geschäftsfelder. Die Studie wirft ein Schlaglicht auf aktuelle Entwicklungen und die Chancen, neue Geschäftsmöglichkeiten zu nutzen“, so Scherzer weiter.

Neben den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf das Verlagsgeschäft präsentierten die Referenten Dr. Markus Kreher, Head of Media der KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, und Prof. Dr. Thomas Hess vom Institut für Wirtschaftsinformatik und Neue Medien der Ludwig-Maximilians-Universität München, die Bedeutung ausgewählter Trends für die Branche sowie strategische Schwerpunkte der Verlagshäuser und deren Chancen – beispielsweise durch externe Paid-Content-Plattformen.

Zukunftstrends und Strategieschwerpunkte

Als besonders bedeutsam für die Zukunft haben die Verlage Themen wie den demografischen Wandel (67 Prozent), Nachhaltigkeit (66 Prozent), die Individualisierung der Lebensstile und Kundenbedürfnisse (64 Prozent) sowie die Veränderung des Arbeitslebens und der Arbeitseinstellung (58 Prozent) mehrheitlich herausgehoben.

Strategisch relevante Wachstumsaspekte sind für 45 Prozent der Verlage der Auf- und Ausbau von Paid-Content-Angeboten, die Erschließung neuer Geschäftsfelder (36 Prozent), die Aggregation und Auswertung von Daten (36 Prozent), die Produktion und der Vertrieb von Video- und Audio-Content (33 bzw. 21 Prozent). Die Entwicklung neuer Printformate hat für 19 Prozent der befragten Unternehmen hohe Priorität.

Paid-Content-Plattformen als Vertriebsweg

Externe Paid-Content-Plattformen wie iKiosk, Blendle oder Readly erweisen sich für etliche Medienhäuser in der Krise als Umsatzbringer. 61 Prozent der Verlage, die solche Plattformen nutzen, gaben an, den Umsatz dadurch gesteigert zu haben. Die größten Vorteile der Plattformen sehen sie allerdings in der Steigerung der Reichweite und der Markenbekanntheit. Aktuell nutzt rund ein Drittel der Verlage solche externen Plattformen zur Distribution ihrer Inhalte. Dabei entscheidet die Größe des Verlags über die Bereitschaft, diesen Vertriebsweg zu nutzen. So verwenden von den Verlagen mit mehr als 100 Mitarbeitern bereits mehr als zwei Drittel externe Plattformen. Bei den kleinen Verlagen mit weniger als 20 Mitarbeitern sind es dagegen erst 19 Prozent. Insgesamt ist Paid Content ein zentraler Punkt auf der Agenda der Verlage.

„Deutsche Verlage halten sich bei der Nutzung externer Content-Plattformen bisher zurück. Wir sehen aber auch: Verlage, die diesen Vertriebsweg nutzen, machen dabei überwiegend positive Erfahrungen“, fasste Dr. Markus Kreher die Ergebnisse zusammen. Und führte weiter aus: „Die Steigerung von Reichweite und Markenbekanntheit sind zentrale Erfolgsfaktoren. Mit einer fortschreitenden Konsolidierung bei den Plattformen könnte dieser Vertriebskanal an Bedeutung gewinnen. Je größer ihr Content-Angebot, desto attraktiver sind Plattformen für die User. Und je mehr Nutzer eine Plattform hat, desto attraktiver ist sie für die Content-Produzenten.“

Mit Blick auf die Trends und Schwerpunkte in der Verlagsbranche stellte Prof. Dr. Thomas Hess heraus: „Über lange Zeit ging es bei der Digitalisierung der Verlage primär um Produkte, Services und die Kundenschnittstelle. Diese Themen sind weiterhin wichtig. In unserer Studie haben wir aber auch gesehen, dass Verbesserungen der operativen Prozesse und der Innovationsprozesse im Moment sogar noch wichtiger sind. Ebenso wird aktuell stark in die IT-Infrastruktur und in das „Humankapital“ investiert. In Summe bestätigt dies: Mit punktuellen Verbesserungen kommt man in der digitalen Transformation nicht weit. Vielmehr muss man Produkte, Prozesse und Geschäftsmodelle, den Ausbau der „Enabler“ und auch die Schaffung der passenden Governance-Struktur im Blick haben – nur mit diesem breiten Blick gelingt digitale Transformation wirklich.“
 

Verlagsstudie 2020: Download
 

PRINT&more 3/2020 veröffentlichte eine exklusive Preview mit dem Schwerpunkt Content-Plattformen.
 

Die Verlagsstudie 2020 ist ein Kooperationsprojekt des VDZ und der KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, durchgeführt in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Thomas Hess von der Ludwig-Maximilians-Universität München. Im März und Juni 2020 wurden insgesamt 116 deutsche Verlage unterschiedlicher Größe und Ausrichtung befragt. An der Onlinebefragung teilgenommen haben überwiegend Geschäftsführer bzw. Mitglieder der Geschäftsführung (86 Prozent), Bereichs- oder Abteilungsleiter (9 Prozent) sowie Mitglieder der Stabsstelle Strategie und Unternehmensplanung (4 Prozent).

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