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Pressefreiheit, Meinungsfreiheit, Europa, Danzig

„Ohne freie Medien werden wir keine gute Zukunft haben“

Nachrichten Medienpolitik

Press Freedom Conference und #AllForJan-Award in Danzig

Lech Wałęsa, ehemaliger Staatspräsident Polens und Friedensnobelpreisträger

Podiumsdiskussion „Unabhängigen Journalismus schützen – auf der Suche nach Lösungen“

Tomasz Sekielski und Marek Sekielski wurden mit dem #AllForJan-Award ausgezeichnet

Valdo Lehari jr. hielt die Opening-Keynote

Deniz Yücel sprach über die Macht der Worte

Stephan Scherzer diskutierte über Finanzierungsmodelle für den unabhängigen Journalismus

Die Press Freedom Conference 2020 in Danzig fand in Gedenken an den 2019 ermordeten Bürgermeister Paweł Adamowicz statt

Press Freedom Conference 2020 in Danzig

Auf der Press Freedom Conference in Danzig am 21. und 22. Januar diskutierten 150 Medienexperten aus Europa über die aktuellen Bedrohungen für freie, unabhängige Medien. Zu der Veranstaltung hatten die European Magazine Media Association (EMMA) zusammen mit der European Newspaper Publisher Association (ENPA) eingeladen. Auf dem Podium standen rund 30 Redner aus zehn Ländern. VDZ-Hauptgeschäftsführer Stephan Scherzer sprach in seiner Funktion als EMMA-Vizepräsident u.a. über Finanzierungsmodelle für den unabhängigen Journalismus.

Am Vorabend der Konferenz wurde zum ersten Mal der #AllForJan-Award verliehen. In Gedenken an den ermordeten slowakischen Journalisten Ján Kuciak zeichnet der Preis Journalist*innen aus, die in ihrer beruflichen Arbeit Werte wie Offenheit, Mut und kompromisslose Berichterstattung über sozial wichtige Themen vertreten. Die polnischen Journalisten Tomasz und Marek Sekielski wurden für ihre Dokumentation „Sag es niemanden“ über Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche Polens geehrt.

Lech Wałęsa, ehemaliger Staatspräsident Polens und Friedensnobelpreisträger, bewegte die Teilnehmer mit seinem Plädoyer über den Wert der Pressefreiheit. Er ermutigte Medien dazu, die Diskussion darüber voranzutreiben, wie die Welt in Zukunft aussehen soll. „Ohne freie Medien werden wir keine gute Zukunft haben. Wären die Medien damals nicht auf mich aufmerksam geworden, so wären meine Reden aus jener Zeit, als wir mit dem Aufbau der Demokratie in Polen begannen, nur im Keller zu hören gewesen.“

Stephan Scherzer unterstrich die Aussagen Wałęsas: „Presse- und Meinungsfreiheit sind Grundlage unserer pluralistischen Gesellschaft. Wenn man sich nicht mehr traut, einen Film zu zeigen, ein Theaterstück oder Lied aufzuführen, ein Buch, einen Artikel oder eine Karikatur zu publizieren, dann ist die Presse- und Meinungsfreiheit am Ende. Fällt die Pressefreiheit, fallen auch alle anderen Freiheiten!“

Auch eine Bestandsaufnahme der Pressefreiheit in Zentral- und Osteuropa stand auf dem Veranstaltungsprogramm. „In zahlreichen Ländern Osteuropas, viele auch Mitglieder der EU, stelle ich seit 2007 einen zunehmenden Prozess der Bedrohung und Demontage der Pressefreiheit fest und somit auch der offenen demokratischen Meinungsbildung“, betonte Valdo Lehari jr., Past- und Vizepräsident ENPA und Vizepräsident BDZV, bei seiner Opening-Keynote auf der Bühne des ECS (Europäische Solidarność-Zentrum). Und weiter: „Angesichts der 75-jährigen Befreiung Deutschlands vom Naziregime und der Wiedererlangung von Freiheit und rechtsstaatlicher Demokratie, symbolisiert in dieser Stadt Danzig, und in Dankbarkeit und Ehrerbietung von Lech Wałęsas Lebensleistung, müssen wir diese Entwicklung stoppen und in der ganzen EU und in Europa für ein robusteres verfassungsrechtlich geschütztes Pressewesen und die wirtschaftlichen Grundlagen hierfür kämpfen und arbeiten.“

Einzelheiten über die aktuelle Lage und die Herausforderungen für die Arbeit unabhängiger Journalisten in der Region wurden in der Studie „Kämpfende Worte: Journalismus unter Beschuss in Mittel- und Osteuropa“ des Reuters Institute for the Study of Journalism vorgestellt. Die Ergebnisse des Berichts zeigen: Journalisten geraten in Mittel- und Osteuropa zunehmend unter Druck. Vielen von ihnen drohen Gerichtsverfahren, sie werden von Politikern und Geschäftsleuten angefeindet oder gar von Reportern kritisiert, die für regierungsfreundliche Stellen arbeiten.

Mark Dekan, Geschäftsführer der Ringier Axel Springer Media AG: „Die Rolle der Medien besteht darin, die Öffentlichkeit auf dem Laufenden zu halten und Regierungsvertreter zur Rechenschaft zu ziehen. Wenn sich diese Rolle dahingehend ändert, dass die politischen Parteien die Medien auffordern, nur eine bestimmte Position zu vertreten, anstatt alle Seiten einer politischen Debatte abzubilden, dann befinden wir uns wirklich in einer sehr schwierigen Situation.“

Peter Bárdy, Chefredakteur von Aktuality.sk und im Jahr 2018 auch Chefredakteur von Kuciak, berichtete über Angriffe auf Journalisten und die Auswirkungen auf ihre Arbeit. Deniz Yücel, Korrespondent für Die Welt, beschrieb die Macht der Worte und ihren Einfluss auf die persönliche Arbeitsweise.

Bei der Podiumsdiskussion zum Thema „Unabhängigen Journalismus schützen – auf der Suche nach Lösungen“ erörterte Stephan Scherzer gemeinsam mit Aleksandra Karasińska, Chefredakteurin bei Newsweek.pl und Forbes.pl, Zoltan Varga, Geschäftsführer Central Médiacsoport, und Hans-Jörg Vehlewald, Politik-Chefreporter der Bild, die wirtschaftlichen Voraussetzungen für qualitativ hochwertigen Journalismus, die Grenzen der klassischen Finanzierungsquellen für die Presse sowie die Potenziale der Medienförderung.

Die Press Freedom Conference wurde zum ersten Mal 2019 in Bratislava durchgeführt. Anlass war der erste Jahrestag der Ermordung Ján Kuciaks. Der slowakische Journalist arbeitete bis zu seinem Tod im Februar 2018 als Investigativ-Reporter an Wirtschaftsthemen für das online Nachrichtenportal Aktuality.sk, zuletzt an Mafiaverbindungen zwischen Italien und der Slowakei. Seine Recherchen und sein damit verbundener Mord führten in der Slowakei zu Massenprotesten und schließlich zu Neuwahlen. Der VDZ hatte ihn 2018 postum mit der Goldenen Victoria für Pressefreiheit geehrt.

Weitere Partner der Press Freedom Conference sind die Botschaft der USA in Polen, Ringier Axel Springer Media und Reuters Institute for the Study of Journalism.

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