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DNV – Der Neue Vertrieb, Coronavirus, Pressehandel, Zeitschriftenbranche, Zeitschriftenverlage

DNV-Interview mit Stephan Scherzer: Der Pressehandel ist unteilbar

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Ein halbes Jahr Corona-Pandemie – über die Herausforderungen und die gefundenen Lösungen sprach DNV u.a. mit VDZ-Hauptgeschäftsführer Stephan Scherzer | erschienen in DNV – Der Neue Vertrieb, November 2020

DNV – Der Neue Vertrieb, Nr. 10-11/2020, 05.11.2020, S. 33/34

Ein gutes halbes Jahr Corona-Pandemie: Wie bewerten Sie die Arbeit des Pressehandels in dieser schweren Zeit?

Stephan Scherzer: Diese Krise ist ein wirklicher Stresstest, bei dem Sollbruchstellen schnell zutage treten. Der Handel hat die Herausforderung als bedeutender Partner der Verlage sehr gut gemeistert. Gerade zu Beginn der Corona-Pandemie standen alle vor der Schwierigkeit, die Vertriebswege bis hin zum Leser offen zu halten.

Die Zusammenarbeit zwischen  Pressegroßhandel, Einzelhandel, Bahnhofsbuchhandel, Sonder- und Spezialverkaufsstellen war dabei essentiell. Fast die Hälfte der insgesamt verkauften Zeitschriftenauflage wird im Einzelverkauf in den verschiedenen Handelsformen umgesetzt. In diesen schwierigen Monaten hat der Vertrieb funktioniert – allerdings leiden vor allem Verkaufsstellen an den Flughäfen und auch an Bahnhöfen unter den Reisebeschränkungen ganz erheblich. Die Prozess- und Lieferketten haben trotz dieser Ausnahmesituation sehr gut gehalten und erwiesen sich als stabiles Fundament der Branche – das war in vielen unserer Nachbarländer nicht der Fall. Die Zeitschriftenverlage konnten ihre Leserinnen und Leser erreichen, weil sie sich auf die Partner im Handel verlassen können. Gleichzeitig waren die Verlage mit ihren Redaktionen die ganze Zeit in der Lage, ihre Leser zu informieren, Zeitschriften zu produzieren und diese anzuliefern. Auch hier wurde besonderes geleistet.

Welches waren für den Verband die größten Herausforderungen während der Pandemie?

Grundsätzlich gehört die Presse zur sogenannten systemrelevanten Infrastruktur. Denn sie garantiert die Versorgung der Öffentlichkeit mit verlässlichen, fundierten und unabhängigen Informationen – gerade in Krisenzeiten ist das besonders relevant. Zu Beginn der Krise war das Bewusstsein dafür, dass nicht nur Zeitungen, sondern natürlich auch Zeitschriften diese zentrale Funktion erfüllen, nicht bei allen Behörden und Entscheidern in der Politik geschärft. In Erinnerung blieben Verkaufsstellen, in denen auf behördliche Weisung die Zeitschriftenauslage abgedeckt werden sollte und nicht zum Verkauf stand. Erst nach schneller Intervention und einer Klarstellung der Bundesregierung, dass der Verkauf von Zeitschriften im Handel weiterhin zulässig sei, konnte diese Situation rasch aufgelöst werden.

Es ist in einer Krisensituation besonders herausfordernd, die zentralen Entscheider aus Politik und Branche schnell an einen Tisch zu bekommen, um Schlimmeres zu verhindern. Die Themen sind ernst und mögliche Fehlentscheidungen in der Politik von besonderer Tragweite. Der VDZ hat seit März 2020 über 200 Video- und Telefonkonferenzen seiner Gremien, mit mehr als 1.500 Teilnehmern durchgeführt, um die Handlungsfähigkeit und Interessenartikulation unserer Branche sicherzustellen. Dazu gehörten auch viele Gespräche mit unseren Partnern im Handel.

Gab es in den vergangenen Monaten Aktionen im Handel oder andere Ereignisse, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben sind?

Mit den Lockdown-Lockerungen ergaben sich tatsächlich neue, bis dahin ungekannte Herausforderungen im Vertrieb. Als Friseursalons unter Einhaltung der Corona-Schutzverordnungen wieder öffneten, verbreitete sich die Information, dass die öffentliche Auslage von Zeitschriften-Lesemappen unzulässig sei. Bis heute halten sich Berichte und Aussagen über das Verbot von Zeitschriften in Friseursalons hartnäckig. Richtig ist jedoch: Seit Mai sind Zeitschriften-Lesemappen in Friseursalons bundesweit erlaubt. Wie schwierig es ist, diesen falschen Informationen entgegenzuwirken, wurde dabei deutlich. Wir unterstützen die Kollegen vom Verband Deutscher Lesezirkel bei diesem Thema.

In diesen aufgeregten Zeiten, unaufgeregt und mit einem ordnungspolitisch klaren Kompass und großer Geschlossenheit zu agieren, ist für unsere Branche überlebenswichtig. Der Gesetzgeber konnte vom VDZ folgerichtig davon überzeugt werden, dass die Zeitschriftenverleger im Förderkonzept zur digitalen Transformation gleichberechtigt zu den Zeitungen eingebunden werden. Die Presse ist unteilbar – das gilt auch für den Handel.

Zuversichtlich stimmt mich der deutlich gestiegene Wunsch der Menschen nach fundierten, journalistischen Informationen, der in den vergangenen Monaten in allen Segmenten gewachsen ist. In Zeiten schneller, oberflächlicher und teils bewusst falscher Informationen verlangen viele Menschen eine unabhängige und kritische Berichterstattung, die Einordnung und Orientierung gibt, aber nicht bevormundet. Diese Menschen suchen nach Absendern, denen sie vertrauen können, die sie bei der unabhängigen Presse mit ihren journalistischen Standards und ihren Medienmarken finden. Zeitschriftenmarken sind starke Vertrauensanker. Unsere Branche beweist in dieser beispiellosen Phase, wie leistungsfähig sie ist – auch dank der zuverlässigen Partner im Handel.

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