22.10.2013

IfD-Umfrage: Bundesbürger vertrauen Printmedien am meisten

Repräsentativbefragung im Auftrag des VDZ // Auch bei Themenkompetenz und journalistischer Qualität ist Print führend // Über die Hälfte der Bundesbürger bewertet eigenen TV-Konsum als zu hoch // Mehr Zeit für Nutzung von Zeitungen und Zeitschriften erwünscht // 73 Prozent lesen längere Texte lieber auf Papier // 87 Prozent der Zeitschriftenleser nutzen ausschließlich die Printversion // Für jeden sechsten aus dieser Gruppe kommt künftig auch die Nutzung elektronischer Ausgaben infrage

Prof. Dr. Renate Köcher, Geschäftsführerin, Institut für Demoskopie Allensbach

Printmedien haben für die Bundesbürger nach wie vor eine herausragende Bedeutung beim Medienkonsum. 85 Prozent der Bevölkerung ab 16 Jahre halten Zeitschriften und Tageszeitungen für besonders zuverlässige und glaubwürdige Informationsquellen. Das geht aus der Repräsentativbefragung "Attraktivität von Print" unter 1.487 Personen hervor, die das Institut für Demoskopie (IfD) Allensbach im Auftrag des Verbandes Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) anlässlich des 'Publishers' Summit' in Berlin durchgeführt hat. Die elektronischen Medien (TV/Radio) schätzen 83 Prozent der Bundesbürger als besonders zuverlässig und glaubwürdig ein und Online-Medien (stationäre und mobile Websites) 32 Prozent.

Ein nahezu identisches Bild zeigt sich bei der Frage, in welchen Mediengattungen besonders gut recherchierte und sachkundige Berichte beziehungsweise Beiträge zum aktuellen Geschehen zu finden sind. Auch hier liegen die Printmedien mit 88 Prozent an der Spitze. Knapp dahinter platzieren sich die elektronischen Medien (87 Prozent), und wiederum mit deutlichem Abstand folgen die Online-Medien (38 Prozent).

"Printmedien sind führend, wenn es um Vertrauenswürdigkeit, Themenkompetenz und journalistische Qualität geht", kommentiert VDZ-Hauptgeschäftsführer Stephan Scherzer die Umfrageergebnisse.

Wie die Allensbach-Studie weiter ergab, bewertet ein Großteil der Befragten den persönlichen Konsum von TV- und Internet-Inhalten als zu hoch. So ist mehr als die Hälfte der Bundesbürger (51 Prozent) der Meinung, zu viel fernzusehen. Mehr als ein Drittel (34 Prozent) glaubt, zu viel Zeit mit der Internetnutzung zu verbringen. In der Altersgruppe der 16- bis 29-Jährigen sind sogar 73 Prozent der Befragten der Ansicht, zu häufig online zu sein. Dagegen gaben lediglich elf Prozent aller Studienteilnehmer an, Zeitschriften zu viel Zeit zu widmen.

Mehr Zeit hätten die Bundesbürger vor allem gern für Zeitungen (32 Prozent) und Zeitschriften (28 Prozent). Das Fernsehen würden 21 Prozent gern intensiver nutzen, das Internet 15 Prozent und das Radio neun Prozent.

Darüber hinaus untersuchte die Allensbach-Umfrage die Präferenzen der Bundesbürger beim Lesen von Texten. Auf die Frage nach der bevorzugten Art der Rezeption antworteten 73 Prozent der Bevölkerung ab 16 Jahre, dass sie längere Texte lieber auf Papier lesen. Das Lesen am Bildschirm favorisieren dagegen lediglich fünf Prozent. Für 17 Prozent spielt die Frage Papier oder Display keine Rolle, fünf Prozent machten hierzu keine Angabe.

Der größte Vorzug gedruckter Texte aus Sicht der Nutzer ist die Flexibilität beim Medienkonsum. 62 Prozent der Befragten sagen, dass man gedruckte Texte überall und jederzeit lesen kann. Auf das Lesen am Bildschirm trifft dies nur für 33 Prozent der Bundesbürger zu. Auch bei den weiteren Rezeptionsleistungen sind gedruckte Medien gegenüber den elektronischen Versionen mit weitem Abstand führend – von der gezielten Auswahl der Inhalte (61 versus 35 Prozent) über eine gute Merkfähigkeit des Gelesenen (56 versus vier Prozent) bis hin zu Motiven wie Spaß (42 versus zehn Prozent) und Entspannung (41 versus drei Prozent).

Im Unterschied zu allen Befragten sehen die 16- bis 29-Jährigen digitale Medien bei der ge-zielten Selektion von Inhalten im Vorteil und bei der Flexibilität der Nutzung auf Augenhöhe mit Print. Doch auch die jungen Zielgruppen schätzen Print in puncto Texterfassung deutlich stärker ein als digitale Medien. So meinen 50 Prozent in dieser Altersgruppe, dass man sich das auf Papier Gelesene gut merken kann. Beim Lesen auf dem Bildschirm ist dies lediglich für vier Prozent möglich. Bei der Frage, welches Medienformat gut für längere Texte geeignet ist, sehen die 16- bis 29-Jährigen ebenfalls Print klar vor Digital (45 versus sieben Prozent). So wird das Lesen längerer Texte in Printmedien als weniger anstrengend empfunden als in digitalen Medien (27 versus 50 Prozent).

Die hohe Printaffinität der Bundesbürger zeigt sich auch bei dem von Zeitschriftenlesern bevorzugten Medienformat. Mehr als vier von fünf Nutzern (87 Prozent) greifen zur gedruckten Ausgabe. Lediglich zwei Prozent wählen bisher die elektronische Variante, zehn Prozent nutzen beides.

Dass die Vorliebe für Print nicht den älteren Bevölkerungsschichten vorbehalten ist, belegt ein Blick auf die 16- bis 29-Jährigen Zeitschriftenleser. In dieser Altersgruppe lesen 74 Prozent die gedruckte Zeitschriften-Ausgabe, die elektronische Ausgabe favorisieren sechs Prozent.     

Zugleich lässt die Allensbach-Umfrage aber ein signifikantes Potenzial für digitale Medien-Angebote erkennen. So kann sich jeder sechste Leser (16 Prozent), der bislang ausschließlich gedruckte Zeitschriften konsumiert, vorstellen, diese künftig auch als elektronische Ausgabe auf einem Tablet-PC oder iPad zu nutzen.

"Die stetige technologische Weiterentwicklung der Endgeräte führt in Verbindung mit darauf zugeschnittenen Inhalten und Services dazu, dass digitale Medien-Angebote für Nutzer zu-nehmend attraktiver werden", resümiert Prof. Dr. Renate Köcher. "Die entscheidende Frage lautet, wieweit die technologischen Innovationssprünge mit den Nutzerbedürfnissen kompatibel sind. Die ausgeprägte Präferenz für Print verspricht besondere Chancen für technologische Plattformen, die Printmedien näherkommen – wie dünne, biegsame Displays, die es gestatten, Zeitschriftenseiten so großzügig und attraktiv abzubilden wie in der Printversion. Dem Rezipienten bietet sich dann ein von gedruckten Medien gewohntes Nutzungserlebnis in digitaler Form."


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