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„My Big Points 2018“ von Stefan Rühling beim Publishers' Summit 2017

Nachrichten Fachmedien

- es gilt das gesprochene Wort -

Stefan Rühling bei seinen "Big Points" (Ole Bader/SANDWICHPICKER für VDZ)

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen!

Ich spreche heute über B2B-Medien, unser Spielfeld und die Leidenschaft. Dazu darf ich Sie wieder einmal für einen kurzen Moment  in die Welt und Perspektive der Fachmedien entführen. 

Wann haben Sie zuletzt ein Fachmedium genutzt? Eine Fachzeitschrift, ein Fachbuch, einen Newsletter, ein Webportal, ein Mobilangebot, eine branchenspezifische Software oder Branchendaten? Wann HORIZONT, W&V, kress, turi, MEEDIA, new business oder - Clap? Wann ein Seminar, eine Messe oder einen Kongress besucht? Letzteres ist natürlich gar keine wirkliche Frage, denn Sie alle sind hier - auf einem Fachkongress, auf unserem Publishers‘ Summit in Berlin! 

Die Angebote und Formate, die ich aufgezählt habe, repräsentieren die große und bunte Welt der Fachmedien. Und natürlich nutzen wir sie alle und täglich. B2B-Medien begleiten die Wirtschaft und Gesellschaft. Sie sind für eine Wissensgesellschaft und eine prosperierende Wirtschaft essentiell. Und in einer Welt, in der Fakten und Behauptungen, Information und Meinung zunehmend verschwimmen, steigt geradezu der Bedarf an hochwertigen Fachinformationen aus unabhängigen und zuverlässigen Quellen. Ich kann deshalb mit Überzeugung sagen: Wir Fachmedienhäuser tragen diesem Bedarf mit vielfältigen, qualitätsvollen und kundenorientierten Angeboten Rechnung. Wir sind ein unverzichtbarer Player auf dem immer größer werdenden B2B-Medien- und Informationsmarkt.

Jetzt komme ich zu meinem zweiten Punkt: dem Spielfeld!

Trotz unseres Selbstbewusstseins und der grundsätzlich guten Entwicklung sehen wir genau, dass sich unser Umfeld und unsere Rahmenbedingungen grundlegend ändern. Was müssen, was können wir also tun? Erstens, und das ist die wichtigste Maxime: Wir müssen uns als Fachmedienunternehmen selbst verändern, uns selbst weiter entwickeln. Und zweitens: Wir müssen uns für Rahmenbedingungen einsetzen, die unsere Arbeit für die Wissenschaft, die Wirtschaft und die Gesellschaft erst ermöglichen. Nur durch Wirken nach innen und nach außen können wir bestehen und erfolgreich bleiben!

In die Zange genommen sind wir dabei von mehreren Seiten. Ich spreche nicht nur von den großen Wettbewerbern aus der Digitalwirtschaft, die natürlich auch und immer mehr das Feld der B2B-Kommunikation und Information für sich entdecken. Nicht umsonst hat Microsoft LinkedIn übernommen, nicht umsonst wendet sich Amazon mit Amazon Business gewerblichen Kunden zu, von den B2B-Reichweiten von Google und Facebook gar nicht erst zu sprechen. Das sind die Herausforderungen des Marktes und des Wettbewerbs in einer Marktwirtschaft - und das ist gut so und ok.

Schwierig machen es uns oft die rechtlichen Rahmenbedingungen, über die an dieser Stelle und in unserem Verband häufig genug gesprochen wird. Ich denke aber, das ist legitim und wichtig, dazu ist eine Interessensvereinigung wie der VDZ (auch) da. Auf diesem Kongress ist schon über die EU-Datenschutz-Grundverordnung und die unheilvolle ePrivacy-Verordnung geredet worden - und ich möchte diese „Spielfeld-Rahmenbedingungen“ nicht mehr strapazieren.

Ein Wort möchte ich aber, weil ich es für einschneidend erachte, zum im Sommer 2017 verabschiedeten Urheberrechts-Wissensgesellschafts-Gesetz (UrhWissG) sagen, das am 1. März 2018 in Kraft tritt. Das UrhWissG ist von besonderer Tragweite für uns Fach- und Wissenschaftsverlage. Danach dürfen bis zu 15% von gedruckten oder digitalen Werken für Unterricht, Lehre, Wissenschaft und Forschung, Bibliotheken, Archive und den Dokumentenversand frei  (d.h. unentgeltlich und ohne Erlaubnis) genutzt werden (z.B. aus einem 1000 Seiten Buch 150 Seiten ohne Zustimmung des Urhebers und des Verlages  verwendet werden). Und auch die Nutzung einzelner Beiträge aus Fach- oder Wissenschaftszeitschriften soll danach vollständig frei sein bzw. in Archiven öffentlicher Bibliotheken gratis genutzt werden können. Das Gesetz läuft auf eine teilweise Enteignung der Fach- und Wissenschaftsverlage, von Autoren und Journalisten hinaus. Es stellt einen massiven Eingriff  in unabhängigen Fach- und Wissenschaftsjournalismus und in die Arbeit von Verlagen dar und ist in dieser Form nicht hinnehmbar. Geistiges Eigentum verdient denselben Schutz wie Eigentum an physischen Gegenständen!

Ich finde, auch daran sieht man, wie unglaublich wichtig es heute ist, für faire Rahmenbedingungen zu kämpfen, die das Spielfeld der Medienhäuser nicht noch massiver beschränken  - und vielfach dabei den Internet-Plattformgiganten Google, Facebook, Amazon, LinkedIn & Co. weitere Wettbewerbsvorteile zuspielen.

Ich möchte an dieser Stelle einmal ausdrücklich allen Protagonisten bei VDZ, den anderen Verbänden und in den verschiedenen Häusern für Ihr großes Engagement in all diesen für uns so wichtigen Themen danken!

So, jetzt komme ich zu Spielfeld Teil 2: Was wir auf unserem Spielfeld jedoch weitgehend selbst beeinflussen können, ist unser eigenes Handeln. Wir haben unser Schicksal selbst in der Hand. In diesem Kontext hat die Deutsche Fachpresse im letzten Jahr die erste umfassende Studie des B2B-Medien- und Informationsmarkts in Deutschland durchgeführt. Sie zeigt, dass der gesamte Markt mit seinen unterschiedlichen Segmenten ein Volumen von über 28 Milliarden EURO Umsatz hat. Damit ist der Markt der B-to-B-Medien und -Informationen in Deutschland um ein Vielfaches größer als der klassische Fachpressemarkt und bietet ein enormes Potential. Im Börsenblatt hieß es dazu in einem klugen Kommentar des engagierten Journalisten Michael Roesler-Graichen: 

„Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt. So lautet ein berühmter Satz des Philosophen Ludwig Wittgenstein. Überträgt man diesen Satz auf eine etwas kleinere Gesamtheit, zum Beispiel die Fachpresse, dann könnte man analog sagen: Die Grenzen meines Markts werden durch die Grenzen meines Marktverständnisses definiert (:|). Dieses Marktverständnis muss sich aber – wie die Sprache veränderten Weltzusammenhängen – einem transformierten Markt anpassen, wenn sich etwa Grundkonstanten verschieben, und neue Parameter zur Beschreibung hinzutreten“. So der wie ich finde, intelligente Kommentar von Herrn Roesler-Graichen.

Wir brauchen also ein neues, ein verändertes und erweitertes Marktverständnis. B2B-Medienhäuser agieren heute in einer Welt konvergierender Geschäftsfelder und sehen sich mit neuen Marktteilnehmern konfrontiert. Erfreulich ist, dass Fachmedienhäuser bereits auf vielen Feldern aktiv sind und Erfolge aufweisen. Wir wollen und können also den B2B Medien- und Informationsmarkt auch in Zukunft maßgeblich mitgestalten. Mit der Fähigkeit, gute Inhalte zu schaffen, Lösungen für die Leser und Nutzer zu liefern und Netzwerke zu organisieren und zu pflegen, haben Fachmedienhäuser nicht alle, aber doch ganz viele Möglichkeiten auf ihrer Seite.

Was es dazu braucht, um viele dieser Möglichkeiten erfolgreich in Taten umzusetzen, davon möchte ich in meinem dritten und letzten Punkt (kurz) sprechen: es braucht Leidenschaft! Mit Querdenken, Lust und Leidenschaft kann man Chancen ergreifen und Neues voran bringen. Ich weiß, dass viele von ihnen das, was ich sage, vielleicht als banal oder romantisierend betrachten. Aber ich bin fest überzeugt davon, dass man diesem Aspekt viel mehr Raum geben muss als es in der Regel geschieht. Menschen machen Medien! Sie liefern Ideen, sie leben Innovationen. Sie schreiben Geschichten und sie  kreieren Inhalte. Sie  haben Überzeugungen und sind motiviert. Sie  schaffen Neues, wenn man sie lässt. Eine offene (Unternehmens-) Kultur mit Freiräumen, gemeinsamen Werten und einer gemeinsamen Haltung ist essentiell und wichtiger als Strategien und Strukturen. Auf der Fahrt nach Berlin habe ich gestern gelesen, dass Florian Haller bei  Serviceplan die „Lebensfreude“ seiner Mitarbeiter in den Mittelpunkt seiner Strategie für den digitalen Wandel stellen will. An der Kultur müssen wir also verstärkt und intensiv arbeiten. Dann entsteht die Leidenschaft, die für Qualität, für Veränderungen und Transformation die Grundlage ist.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

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