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Pressefreiheit, Meinungsfreiheit, Wahrheit, Journalismus

Lebenslang für die Wahrheit

Nachrichten Kompendium

Thomas Ganske zur Verleihung der Goldenen Victoria für Pressefreiheit an Can Dündar | erschienen im VDZ Kompendium 2017

„Hoffen wir gemeinsam, dass der Mut Can Dündars belohnt wird und seine Worte erhört werden – für die Zukunft der Türkei und Europas.“ - Thomas Ganske, Ganske Verlagsgruppe (Foto: Johannes Arlt/laif)

Es sind erschütternde Zahlen, die zeigen, wie bedroht die Pressefreiheit heute ist: 259 Journalisten saßen 2016 in Haft, 78 Journalisten wurden ermordet. In der Türkei wurden nach dem Putschversuch im Juli 2016 weit über 100 Journalisten verhaftet, rund 150 Medien geschlossen und mehr als 700 Presseausweise annulliert; die Türkei gehört zu den Ländern mit den meisten inhaftierten Journalisten weltweit.

Reporter mehrerer großer US-Medien, darunter Korrespondenten von CNN und der New York Times, sind von einer Pressekonferenz des Weißen Hauses, bei dem als konservativ ausgerichtete Medien wie gewohnt teilnehmen durften, ausgesperrt worden; Donald Trump bezeichnete Journalisten als die „unehrlichsten Menschen auf dem Planeten“.

In Haft, weil er seine Arbeit gemacht hat

Die Meinungs- und Pressefreiheit ist in vielen Teilen der Welt in ganz unterschiedlicher Ausprägung bedroht. Zur Symbolfigur im Kampf für Pressefreiheit und demokratische Werte ist im vergangenen Jahr der türkische Journalist Can Dündar geworden. Der ehemalige Chefredakteur der Tageszeitung Cumhuriyet, die 2016 mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet wurde, saß wegen seiner mutigen Berichterstattung über Waffenlieferungen des türkischen Geheimdienstes nach Syrien drei Monate in Einzelhaft, wurde zu fünfeinhalb Jahre Gefängnis verurteilt und ist nur knapp einem Mordanschlag entkommen. Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan stellte persönlich Strafanzeige und hat zweimal lebenslänglich für Can Dündar gefordert – weil er als Journalist seine Arbeit gemacht und die Wahrheit geschrieben hat.

Heute lebt Can Dündar im Exil in Berlin. Auf die Frage, wie man den demokratischen Kräften in der Türkei helfen kann, antwortete er der Journalistin, die ihn interviewte: „Sie tun es gerade, indem ich hier sprechen kann. Sie helfen mir oder meinen inhaftierten Kollegen, indem wir in Ihren Zeitungen schreiben können, dass sie auf unsere Probleme hinweisen, dass die Welt das Schicksal der demokratischen Kräfte in der Türkei und der türkischen Journalisten nicht vergessen.“ Es ist ein Appell an alle Redakteure, Can Dündar und seinen Mitstreitern eine Bühne zu bieten, und sich für die Pressefreiheit zu engagieren.

Lebenslang für die Wahrheit

Dündar steht für das Recht auf Informationen und freie Meinungsäußerung, für eine freie und unabhängige Berichterstattung, für publizistische Vielfalt – die Unternehmen der Ganske Verlagsgruppe – der Hoffmann und Campe Verlag, der sein jüngstes Buch „Lebenslang für die Wahrheit“ auf deutsch veröffentlicht hat, genauso wie der Jahreszeiten Verlag – begleiten und unterstützen Can Dündar und diese Werte.

Anfang des 19. Jahrhunderts veröffentlichte Hoffmann und Campe Heinrich Heine und die wichtigsten Autoren des Vormärz und war so ein entscheidender Mitkämpfer für die Presse- und Meinungsfreiheit in Deutschland. Der Jahreszeiten Verlag ist seit nunmehr sechs Jahrzehnten als modernes Kommunikationsunternehmen ein Spiegelbild des gesellschaftlichen Wandels.

Für Überzeugungen eintreten

Die Unterstützung, die Can Dündar aus der ganzen Welt erfährt, ist immens. Der Literaturnobelpreisträger Orhan Pamuk bezeichnete Dündar als „sehr mutigen Journalisten“, für Martin Schulz ist Can Dündar „ein Held“. Dündar erhielt den Menschenrechtspreis 2015 der Organisation Reporter ohne Grenzen und wurde 2016 ausgezeichnet mit dem Leuchtturm-Preis des Netzwerks Recherche, dem Hermann-Kesten-Preis des PEN-Zentrums Deutschland, dem Preis für Freiheit und Zukunft der Medien von der Medienstiftung Leipzig sowie der Goldenen Victoria für Pressefreiheit des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger. Er ist ein Mann, der für seine Überzeugungen eintritt, auch wenn er dafür einen hohen Preis zahlen musste.

Julius Campe, der 1823 die Leitung des Hoffmann und Campe Verlags übernahm, wusste die damals geltenden preußischen Zensurbehörden zu umgehen und spezialisierte sich auf politisch oppositionelle Literatur. 1836 schrieb er: „Beneiden möchte man Engländer und Franzosen, daß diese Menschen sich frei und naturgemäß bewegen dürfen, während man uns Deutsche[n] wie Buben das Wort verbietet. […] Wenn es zu spät ist wird man uns das Wort gönnen, dann wird uns aber am Worte nichts mehr liegen, sondern nach Taten dürsten.“ Hoffen wir gemeinsam, dass der Mut Can Dündars belohnt wird und seine Worte erhört werden – für die Zukunft der Türkei und Europas. //


-- erschienen im VDZ Kompendium 2017 --

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